| |
Immer noch Weihnachten?
Tun Sies nicht! Werfen Sie ihn noch nicht aus dem Fenster. Zerren Sie ihn noch nicht auf die Terrasse. Geben Sie ihm wenigstens noch zwei Tage.
Natürlich nadelt er schon kräftig, der Weihnachtsbaum. Und immer den einen Ast zur Seite zu biegen, wenn man an die CDs kommen möchte, ist allmählich auch lästig.
Ja, für viele ist es nun genug mit Weihnachten. Das ist doch die Gelegenheit, heute Nachmittag in aller Ruhe wieder alles in die Kisten zu packen und zurück auf den Dachboden oder in den Keller zu stellen.
Aber eigentlich ist Weihnachten noch gar nicht vorbei. Es reicht noch bis übermorgen. Die heiligen drei Könige sind sozusagen noch auf dem Weg zur Krippe und kommen erst am 6. Januar an. Auch mein Terminkalender sagt es: In drei Bundesländern ist dann sogar ein Feiertag. Alle orthodoxen Christen in Russland, Griechenland und Osteuropa feiern erst am 6. Januar ihr Weihnachtsfest. Genauso wie die orthodoxen Kirchengemeinden in Düsseldorf oder die armenische Kirche in Köln und viele andere Menschen in ganz Deutschland.
Der 6. Januar war sogar der erste einheitliche Weihnachtstag. In Rom wurde erst im Jahre 354 beschlossen, diesen besonderen Feiertag umzulegen. Denn am 25. Dezember feierten die Römer damals das Fest ihres unbesiegbaren Sonnengottes. Da die Christen aber zeigen wollten, dass nicht irgendeine römische Gottheit, sondern Jesus Christus das wahre Licht der Welt ist, haben sie das Fest einfach umgedeutet und umgelegt. Seither gibt es zwei Tage, an denen Christen in aller Welt die Geburt Jesu feiern, den 25. Dezember und den 6. Januar.
Reiseveranstalter haben längst entdeckt, dass es zwölf heilige Nächte gibt. Palma de Mallorca wirbt für eine Kurzreise zur Nachweihnachtszeit. Gefeiert werde bis zum Tag der Heiligen Drei Könige. Festliche Licht-Dekorationen noch bis zum 6. Januar inklusive. Das ist doch was. Und die Schulferien hierzulande reichen auch noch bis dahin. Echte Weihnachtsferien.
Ich koste die Zeit lieber zuhause aus. Die Küche ist wieder aufgeräumt, der Bratenduft verzogen, die Geschenke umgetauscht, und die lieben Verwandten endlich abgereist. Jetzt lege ich die Füße hoch und mache abends am Baum noch mal die Kerzen an.
Klar, die Feiertage sind vorbei aber noch hat mich der Alltag nicht wieder. Eine kostbare Lücke. Deshalb will ich Baum und Krippe noch nicht aus den Augen verlieren, nicht schon wieder Platz schaffen. Ich behalte sie, noch gebe ich ihnen etwas Raum. Ein Mensch der Bibel, der einen Psalm betet, sagt es ganz ähnlich: Ich habe den HERRN allezeit vor Augen; steht er mir zur Rechten, so werde ich festbleiben.
Mit Baum und Krippe habe ich das, was an Weihnachten geschehen ist, noch weiter vor Augen. Steht Gott so sichtbar an meiner Seite, finde ich Halt. Dieses gute Gefühl will ich nicht gleich wieder auf den Speicher verbannen. Nicht schon heute. Sondern frühestens am Mittwoch. Dann fängt die Schule wieder an, der Alltag beginnt, und dann erst dann kommt der Baum vor die Tür.
Immer noch Weihnachten?
|