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Zeit
Heute ist der 28. Dezember. Noch drei Tage, dann ist das Jahr 2008 Geschichte. Ein Jahr geht, ein neues kommt. Ich komme zum Jahreswechsel hin immer leicht ins grübeln.
Ich denke dann über das vergangene Jahr nach 365 Tage. So viel Zeit. Aber so schnell vorbei. Ich denke daran, was im vergangenen Jahr so alles passiert ist.
Die stressigen Tage am Arbeitsplatz, wenn etwas nicht so lief, wie es sollte. Wenn Termine drängten, Fristen drohten. Der alltägliche Ärger mit den Kollegen. Vorbei, wenigstens für dieses Jahr. Die schönen Erlebnisse fallen mir ein: Familienfeiern, Einladungen zu Freunden und zu Festen. Geburtstage, Hochzeiten. Manche hat man lange nicht mehr gesehen. Ist jetzt auch schon wieder eine Weile her. Eigentlich hatten wir uns doch vorgenommen, uns öfter zu sehen, öfter anzurufen. Aber die Zeit vergeht ja so schnell.
Der Sommerurlaub ist schon fast wieder vergessen. Wo waren wir dieses Jahr doch gleich? Und letztes? Und jetzt ist es schon wieder kalt geworden. Und spätestens jetzt werde ich melancholisch. Weil ich merke, dass die Zeit so unheimlich schnell verrinnt. Und so unwiederbringlich. Mein Kind wird schon zehn, mein Auto muss wieder zum TÜV, ich bin auch ein Jahr älter geworden. Wo soll das hinführen?
Eine rhetorische Frage, denn wir wissen alle, wo uns das Leben letztlich hinführt. Jedes Jahr begraben wir die, deren Lebenszeit vor unserer abgelaufen ist. Jedes Jahr trauern wir um Menschen, die uns nahe standen, die wir liebten. Und an jedem Jahresende merken wir, wie unheimlich die Zeit davongeeilt ist, wie Trauer und Schmerz und Erinnerungen verblassen.
Das alles ist nicht aufzuhalten, und das macht mich melancholisch. Unser Leben und Erleben ist zeitgebunden. Es hat einen Anfang und ein Ende. Im Prinzip können wir damit etwas anfangen. Alle Dinge, die uns umgeben haben Anfangs und Endpunkte. Nur dass einer der Endpunkte uns persönlich betrifft.
Im Gottesdienst ist mir neulich etwas aufgefallen. Das Anfangsgebet endete mit den Worten: ..der du lebst, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Kein Anfang, kein Ende. Ewigkeit. Mein Leben ist zeitgebunden. Gott nicht. Der Schöpfer der Welt hat auch die Zeit geschaffen. Steht selber außerhalb, über der Zeit. Ist Zeitlos. Ewig.
Wenn ich am Ende eines Jahres Rückschau halte, bilanziere, Erfolge und Misserfolge verbuche, Verluste betrauere, dann merke ich, dass ich den Begriff Ewigkeit nicht fassen kann. Weil er außerhalb meiner Erfahrungswelt liegt. Weil mein Leben zeitgebunden ist, weil ich nur zeitgebunden denke kann. Ich spüre aber auch eine Sehnsucht nach etwas, dass nicht vergänglich ist, das bleibt. Und ich spüre eine Hoffnung auf ein Wiedersehen mit meiner Oma, mit meinem Vater, mit meinem besten Freund.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Das sind alte Worte. Mystisch, geheimnisvoll. Nicht begreifbar. Aber Worte, die für mich in meiner Melancholie am Jahresende sehr tröstlich sind. Das ablaufende Jahr ist bald vergangen, sicher. Aber eingebettet in Gottes Ewigkeit. Wie auch wir und die, die wir lieben. Kommen Sie gut ins neue Jahr.
Zeit
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