Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

26.12.08, Vizepräses Petra Bosse-Huber

Begegnen

Lebhafter Verkehr auf den Straßen verdrängt die weihnachtliche Ruhe. Die Feiertage sind eine gute Gelegenheit für Besuche und Begegnungen.

Eltern werden zum Brunch ausgeführt, Freundinnen verabreden sich zum Video-Nachmittag, Cousinen und Cousins probieren die neuen Spiele aus, Jugendliche treffen sich im Eisstadion oder zum Indoor –Skating.

Was haben Sie sich heute vorgenommen? Gehören Sie zu den Menschen, die ein ritualisiertes Besuchsprogramm haben und jedes Jahr die gleichen – oft weiten – Wege zurücklegen? Oder planen Sie spontan, wie und mit wem Sie die Feiertage verbringen?

Begegnungen erfordern Mobilität und sie kosten Geld. Oft fallen Fahrtkosten an, Ein¬trittskarten, Café- oder Restaurantrechnungen reißen ein Loch ins Budget. Zu Hause sollen Gäste gut bewirtet werden und wenn ich eingeladen bin, danke ich mit einem Gastgeschenk. Menschen, die sich diese und andere Ausgaben nicht leisten können, wollen nicht immer über ihre Armut sprechen. Sie verzichten dann lieber auf Begegnungen und lassen sich kaum anmerken, dass ihnen die Weihnachtstage und das anschließende Wochenende lang werden. Der Ausschluss aus der Gesellschaft vollzieht sich unauffällig und er macht – das ist selbstkritisch zu sagen - auch vor unseren Kirchengemeinden nicht Halt, denn viele Gemeinden sind durch ein mittelständisches Milieu geprägt.

Trotzdem hält die Kirche an der Forderung fest, dass allen Menschen eine gerechte Teilhabe an der Gesellschaft möglich sein muss:

Sprecher: „Kirche ist als eine der wenigen Institutionen in der Gesellschaft in der Lage, Teilhabe ohne formale Voraussetzungen wie Geld oder Arbeit zu gewähren. Das Recht zur Teilhabe an der Kirche erlangt man durch die Taufe, die ohne eigene Würdigkeit voll¬zogen wird. In der Taufe, wie in der Gemeinschaft des Abendmahls sind alle Menschen gleich vor Gott und allen wird eine gleiche Würde zugesprochen.“

Autorin: Das sind klare Worte aus „Gerechte Teilhabe“, der Denkschrift des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Armut in Deutschland.

Begegnung ist eine Grundform der Teilhabe. Deshalb brauchen wir auch an den Feiertagen Orte an denen Begegnung kostenlos möglich ist. Die Kirchen sind solche Orte. Da gibt es die Begegnung mit Gott, der Mensch geworden ist in Jesus Christus. Da gibt es auch die Begegnung mit Menschen, die als Bilder Gottes geschaffen sind, ganz gleich wie ihre wirtschaftliche Situation aussieht. In den verlässlich geöffneten Kirchen kann der Kirchenraum erkundet werden, oft gibt es Ausstellungen oder andere offene Angebote. Ein Spaziergang kann an der Kirche seinen Ausgang nehmen.

Haben Sie Ihre Pläne für heute schon gemacht? Eine Verabredung, die kein Geld kostet, ist eine von vielen Möglichkeiten, den Tag zu gestalten.

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