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Rummelpott
Autor: Wenn heute Abend die Sonne untergeht, werden sie wieder von Tür zu Tür ziehen: die Rummelpötte. Am Silvesterabend im Norden Schleswig-Holsteins.
Gruppen von Kindern, die seltsame Geräusche machen und ganz besondere Lieder dazu singen:
O-Ton (gesungen): Fru, mok de Dör op, de Rummelpott will rin. Dor kümmt een Schipp ut Holland, de hett een goode Wind.
Autor: Traute Petereit ist als Kind selbst Rummelpott gelaufen. Sie erinnert sich an die Stunde, wenn es los ging:
O-Ton: Es musste auf jeden Fall schon mal dunkel sein. Und dadurch kriegte das schon immer so diese Stimmung zwischen Tag und Abend. Nicht mehr ganz so im hellen Bereich. Also es ging darum, sich zu verkleiden, bei Nachbarn, bei bekannten Familien zu klopfen, ein Lied zu singen, Krach zu machen, und vor allem einen Beutel dabei zu haben, den man anschließend aufhalten konnte, und dann kriegte man da was rein. (4 1:17-1:40) [Falls der Platz doch reicht: Manchmal ne Apfelsine oder von den selbstgebackenen Keksen. Am allertollsten fand ich das bei Schlachter Mumm. Da gabs 'n Würstchen (lacht).
Autor: Eigentlich ist der Rummelpott eine Dose, über die eine getrocknete Schweinsblase gespannt wird. Die Kinder bearbeiten sie mit einem Stöckchen oder einem Kochlöffel. So entstehen die unheimlichen, rummelnden Geräusche.
O-Ton: Also an diese Schweinsblasen ranzukommen war ja schon ein richtiges Kunststück. [...] Und man musste auch was bezahlen dafür. Und dann nahmen wir eben ersatzweise einen alten Kochtopf oder ne Blechtasse und nen alten Holzstock. Irgendwie wussten wir schon, Geräusche zu machen.
Autor: Die Lieder, die dazu gesungen werden, sind nicht zimperlich:
O-Ton: Ein ganz grausliges hab ich im Kopf. Das geht so: Hau de Kat den Schwanz aff, hau en nich to lang aff, lottn lütten Stummel stohn, dat de Katt kann wiedergohn. Grauslich, wenn ich mir das heute vorstelle. Ich hab das als Kind begeistert gesungen.
Autor: Vieles erinnert an Halloween: die dunkle Stunde, die umherziehenden Kinder, die lärmend etwas Süßes erbetteln. Auch bei den Rummelpötten kann es passieren, dass schlechte Geber ihre Strafe bekommen. Und auch bei diesem Brauch ist nicht so ganz klar, ob er eigentlich christlich ist oder nicht.
O-Ton: Aber Kirche selbst, also ich kann mich nicht daran erinnern, dass das in irgendeiner Weise verboten war oder so. Vielleicht war das auch auch nicht gerade favorisiert. Ich kann das nicht beurteilen. Es war son bisschen in in so einer Grauzone. Und das machte das durchaus spannend.
Autor: Aber auch fromme Leute wie die Eltern von Traute Petereit konnten dem Brauch etwas abgewinnen: Sie nutzten die Gelegenheit zu einer guten Tat und waren bei armen Kindern besonders großzügig.
O-Ton: Und das schien mir von meinen Eltern ziemlich gezielt. Denn wo sächt: Och, sind dat nicht die Petersens, die henn dat og nötig. So, und dann gab das auch noch ein bisschen oben drauf, hatt ich das Gefühl.
Autor: Eine offene, entspannte Haltung und ein waches Auge dafür, wo man helfen kann. Das wünsche ich auch Ihnen für das neue Jahr 2009!
Rummelpott
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