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Sehnsucht
Liebe Hörerinnen und Hörer, Was wünschen Sie sich für 2009? Wonach sehnen Sie sich? Von vielen weiß ich, ihre Gedanken gehen in die Vergangenheit.
Ach, wenn doch alles wieder wäre wie vor 30 Jahren, als die Kinder noch klein waren. Als das Feste feiern noch Freude gemacht hat. Weihnachten und Silvester. Als wir noch alle zusammen waren. Jetzt sieht man sich zwei bis dreimal im Jahr. Wenn die Kinder doch wenigstens näher bei einem wohnen würden. Andere sehnen sich zurück nach der Zeit, als der Partner, die Partnerin noch gelebt hat. Und man gemeinsam einen großen Freundeskreis hatte.
Manchen fehlt eine Aufgabe. Sie sehnen sich nach der Zeit der Berufstätigkeit, als sie noch gebraucht wurden. Mancher, der krank oder gebrechlich ist, trauert der Zeit nach, als er oder sie noch gesund war, beweglich, überall hin konnte. Vielleicht hat der ein oder andere einen schon lange gehegten Wunsch. Sieht aber keine Möglichkeit, ihn noch zu verwirklichen. Solche Gedanken können einem das Aufbrechen in ein neues Jahr ganz schön schwer machen. Die Zeit kann keiner zurückdrehen. Wofür lohnt es sich dann noch, zu leben? Manche sehnen sich danach, dass alles ganz anders wird. Oder sogar danach, dass das Leben auf dieser Erde für sie zu Ende geht.
Auch der alte Abraham trug eine tiefe Sehnsucht im Herzen. Die Sehnsucht, dass von ihm etwas bleibt. Dass er in Nachkommen weiterlebt. Ein Kind wollte er so gerne haben. Auch wenn das rein altersmäßig gar nicht mehr möglich und auch eigentlich nicht mehr dran war. Diese Sehnsucht ließ ihn nicht los. Letztlich trug sie dazu bei, dass er losgezogen ist auf Gottes Geheiß in versprochenes Neuland. Denn Gott hat die Erfüllung dieses Wunsches an seinen Aufbruch gekoppelt.
Sprecher: Gott sprach zu Abraham: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen. Deinen Nachkommen will ich dies Land geben.
Abraham hätte sich sagen können: Wenn ich schon keine Kinder und Enkel habe, dann bleibe ich wenigstens bis zum Ende meiner Tage in meiner Heimat, bei meinen Geschwistern und Nichten und Neffen. Seine Sehnsucht wäre dann kaum erfüllt worden. Stattdessen hat er sich auf den Weg gemacht. Hat seinen Blick nicht mehr auf das Vergangene gerichtet, sondern nach vorne. Er war offen für neue Möglichkeiten, damit sich seine Sehnsucht erfüllt. Für dieses Vertrauen, dass Gott seine Verhältnisse ändern kann, dafür wurde er berühmt.
Abraham ist vielen Menschen seither zum Vorbild geworden mit seinem Glauben. Menschen, die ihren Blick nach vorne gerichtet haben. Die nach neuen Wegen gesucht haben, damit ihre Sehnsucht sich erfüllt. Auch die nach Nähe und Geborgenheit, die oft hinter dem Nachdenken über früher steckt. Menschen, die sich einer neuen Gruppe angeschlossen haben, einem Seniorennetzwerk oder einem Kulturkreis. Die sich ehrenamtlich engagieren für Kinder, für Kranke, für Alte. Die so Anschluss finden und aus der Einsamkeit herauskommen. Und da gibt es ja viele Möglichkeiten. In Düsseldorf haben wir ein Seniorentheater. In vielen Kindertagesstätten gibt es Vorleseomas. In Krankenhäusern kümmern sich grüne Damen um Patienten. Möglichkeiten gibt es viele. Wenn wir, wie Abraham losziehen im Vertrauen darauf, dass Gott unsere Sehnsucht kennt und Wege findet, dass sie sich erfüllt.
Sehnsucht
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