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Noch eine Woche Zeit
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, in einer Woche ist Heilig Abend. Die Kinder werden jetzt jeden Tag aufgeregter.
Für die meisten von ihnen ist Weihnachten einfach eine tolle Zeit: Der Tannenbaum, die Geschenke, die Gemütlichkeit, der Gottesdienst am heiligen Abend, die vielen Lichter und das leckere Essen.
Ganz so unbeschwert gehen wir Erwachsene nicht in das Fest. Da ist die viele Arbeit im Vorfeld: Planen, einkaufen, Geschenke einpacken, kochen und putzen. Und Geschenke und gutes Essen, ja selbst die adventlich-weihnachtliche Stimmung sie können uns Erwachsene nicht mehr über alles hinwegtrösten.
Menschen, denen erst kürzlich eine Liebe, eine Beziehung zerbrochen ist, gehen gewiss mit gemischten Gefühlen auf das Fest zu: Wie viele Erinnerungen kommen hoch? Was mache ich mit der vielen freien Zeit? Kann ich Weihnachten alleine überhaupt genießen? Ist ein Familienmitglied schwer krank, dann ist es auch nicht so leicht, mit strahlenden Augen unter dem Baum zu sitzen. Man würde doch gerne auf alles verzichten...wenn dieser eine Mensch nur wieder gesund werden könnte.
Was mich aber am meisten bedrückt so sagte mir kürzlich eine Bekannte, das ist, dass es allen anderen offensichtlich gut geht. Alle können sich freuen, alle haben jemanden zum Feiern, nur ich nicht.
Natürlich stimmt das so nicht. Probleme gibt es in jeder Familie, Streit und Zwist, Krankheit und Tod ... das gibt es überall.
Die Frage ist wohl mehr, wie wir damit umgehen? Wie wir so damit umgehen, dass uns auch solche Feste wie Weihnachten nicht all zu schwer werden.
In der Bibel entdecke ich: Das eigene Problem nicht zu verstecken ist fast das Wichtigste. Es überrascht mich immer wieder, wie ehrlich vor allem im Alten Testament die Probleme von Menschen, z.B. in Familien und Ehen beschrieben werden: Kain erschlägt seinen Bruder Abel aus purem Neid, aus purer Eifersucht. Abrahams Frau Sara leidet darunter, dass sie keine Kinder bekommen kann und darüber die Jahre vergehen. Ja, sogar in der Weihnachtsgeschichte ist von heiler Familie keine Spur. Maria ist unverheiratet, als sie schwanger wird. Das Kind wird in einem Stall geboren, nicht mal ein Platz in der Herberge ließ sich noch finden. Die ersten Gratulanten sind die Hirten vom Feld. Ausgerechnet. Sie lebten vor den Toren der Stadt, ihnen misstrauten alle.
Das alles wird bei Namen genannt. Das alles wird nicht unter den Teppich gekehrt. Mehr noch: Mit diesen Menschen und ihren gebrochenen Lebensgeschichten hat Gott Großes vor.
Es ist wichtig, uns gegenseitig daran zu erinnern.
Gott ist anders. Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade. Und manchmal, manchmal so jedenfalls habe ich das erlebt stellt man viele Jahre später fest: Diese Erfahrung, dieser Schicksalsschlag hat mich weitergebracht, vielleicht hat Gott sich doch etwas dabei gedacht.
Das soll uns aber nicht davon abhalten, an diesem Weihnachtsfest gut für uns und andere zu sorgen. Manche Familien finden es zum Beispiel schön, wenn eine Freundin, ein Freund Weihnachten zu ihnen kommt. Und wenn es gar nicht passt, dann kann man sich das auch sagen. Man kann nicht immer erraten, was anderen gut tut. Da braucht es auf beiden Seiten ehrliche Worte, Verständnis und auch ein wenig Mut.
Die Probleme nicht unter den Teppich kehren, sich gegenseitig sagen, was los ist. Miteinander klären, was über Weihnachten möglich ist - noch haben wir dazu eine Woche Zeit.
Noch eine Woche Zeit
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