| |
Ich muss abnehmen
Ich muss abnehmen was für manch einen heute eines der wichtigsten Ziele des Lebens sein mag, das steht so schon in der Bibel. Ich muss abnehmen.
In der Bibel geht es allerdings nicht um irgendwelche überzähligen Pfunde, sondern Johannes der Täufer sagt das von sich selbst: Ich muss abnehmen, und meint damit seine gesellschaftliche und religiöse Bedeutung. Johannes der Täufer ein Zeitgenosse Jesu an ihn denken wir in dieser Woche nach dem dritten Advent besonders. Viele Menschen sahen damals in ihm den Erlöser, den Retter der Welt, weil er den Menschen sehr deutlich sagte, was sie zu tun und zu lassen hätten, wenn sie vor Gott bestehen wollten. Er sprach sogar einzelne Berufsgruppen an und sagte ihnen, wie sie sich verhalten sollten:
Sprecher: Der Menge sagte er: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat. Den Zöllnern sagte er: Fordert nicht mehr als euch vorgeschrieben ist. Den Soldaten sagte er: Tut niemandem Gewalt oder Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold. (Lk 3)
Autor: Man könnte diese Predigt des Johannes verallgemeinern und sagen: Du sollst an dem Ort, an dem du lebst und arbeitest, deine Mitmenschen im Auge behalten. Du sollst ihre Not und ihr Recht achten und selbstlos und zuvorkommend an ihnen handeln.
Das ist mehr als seid nett zueinander. Johannes predigt: setzt euch füreinander ein auch wenn die Strukturen, eure Gewohnheiten oder das System das eigentlich nicht zulassen, dann entscheidet euch im Zweifel für eure Mitmenschen und gegen die Vorgaben.
Konkret: Wenn ihr in der Adventszeit 2008 über den Weihnachtsmarkt oder durch die Fußgängerzonen geht und seht die Leute, die von euch ein paar Cents oder einen Euro haben wollen, dann geht nicht an ihnen vorbei. Tut nicht so als hättet ihr sie nicht gesehen, damit ihr bloß nicht auffallt und unbehelligt euren Einkauf machen könnt, sondern wendet euch einen von ihnen zu so könnte Johannes gepredigt haben. Nicht allen, aber einem. Widmet ihm ein wenig eurer Aufmerksamkeit und Zeit und sprecht mal mit ihm oder ihr. Vielleicht ist das ehrliche Interesse an der Lage des anderen mehr wert als der nebenbei fallen gelassene Euro.
Mir ging es mal so, als ich einen von diesen Bettlern auf ein belegtes Brötchen in die nächste Bäckerei eingeladen hatte. Auf einmal bekam der andere für mich ein Gesicht. Mag sein, dass seine Geschichte, die er mir dann erzählte, erfunden war was nicht erfunden war, war mein Interesse an dieser mir ganz fremden Person und seinem Lebensschicksal. Ich habe ihn sicher nicht aus seinen verkorksten Lebensverhältnissen gerettet, aber mich selbst aus meiner Gleichgültigkeit und Ich-Bezogenheit. Weil Johannes der Täufer mit dieser konkreten ethischen Predigt aufgetreten ist, haben Menschen in ihm den Messias, den Retter der Welt gesehen. Doch auf die Frage, ob er vielleicht der Christus wäre, also der, der die Welt erneuern würde, antwortete er nur: Jesus Christus muss wachsen. Ich aber muss abnehmen.
Seine guten Ratschläge, seine Predigt der Mitmenschlichkeit, sein Ruf zur Umkehr, all das verliert an Bedeutung angesichts der neuen Botschaft, die mit Jesus Christus in die Welt gekommen ist. Statt guter Worte und liebevollen Taten, sind jetzt das Wort Gottes selbst und die Liebe Gottes selbst auf die Welt gekommen. Nichts weniger als das feiern wir an Weihnachten. Gott wird Mensch, damit wir Menschen menschlich werden können. Eine gesegnete Adventszeit!
Ich muss abnehmen
|