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Nicht genug
Im Moment kommt niemand an ihnen vorbei. Zu Hunderten sind sie ausgeschwärmt und belagern die Fußgängerzonen und Schaufenster, die Weihnachtsbäume und Weihnachtsmärkte ...
... selbst auf Keksdosen und Postkarten machen sie sich breit: die Engel. Längst sind sie nicht mehr nur weiß mit goldenem Haar. Sie sind blau oder rot. Oder rosa! Natürlich mit rosa Flügeln, süüß! Manche rebellischen Engel sind schwarz und beschwipst und in Begleitung vom Osterhasen. Sind diese Massen von Engeln nun schön und gut? Oder sind sie zu viel des Guten? Ich meine: Zu viele Engel, das gibt es gar nicht. Wir können nicht genug von diesen geflügelten Wesen um uns herum haben.
Okay, mit den großen Engeln, den Ehrfurcht gebietenden Engeln Gabriel, Michael und Raffael, die in der Bibel aktiv sind, mit denen haben die meisten unserer Engelzeitgenossen nicht viel gemeinsam. Denn die echten, die biblischen Engel waren nicht süß. Im Gegenteil. Die Menschen haben sich erschrocken, wenn sie ihnen begegnet sind. »Fürchte dich nicht!«, hat darum der Engel Gabriel als erstes zu Maria gesagt. Er war ein Bote Gottes mit einer unfassbaren Nachricht von Gott für diese junge Frau: Sie sollte ein Baby bekommen und das würde der Sohn Gottes sein. Puh, was für ein Schreck für Maria.
Die rosa Engel in unseren Fußgängerzonen erschrecken niemanden, höchstens wegen ihrer rosa Flügel. Boten Gottes sind die bestimmt nicht. Oder eben doch! Ich merke nämlich, auch sie haben eine Nachricht. Jeder Engel und sei er noch so rosa und süß erinnert mich daran: Es gibt noch eine andere Welt, eine helle Welt, die unser Dunkel überhaupt erträglich macht: Gottes unsichtbare Welt neben unserer. 62 Prozent der Deutschen glauben an Schutzengel. Das sagt mir: Sie haben die Hoffnung, dass das Dunkle und Schreckliche nicht das letzte Wort über uns hat.
Genau darum müssen jetzt vor Weihnachten Massen von Engeln herumfliegen. Denn sie erinnern an das Geheimnis von Weihnachten. Auch damals, so wird in der Geburtsgeschichte von Jesus erzählt, auch damals waren Massen von Engeln unterwegs. Vielleicht waren auch ein paar süße dabei... Diese Engel jedenfalls brachten ein Leuchten aus Gottes himmlischer Welt mit. »Die Klarheit des Herrn umleuchtete die Hirten auf den Feldern vor Bethlehem«, heißt es in der Weihnachtsgeschichte. Die Hirten auf den Feldern, also die arbeitende Bevölkerung in ihrem Alltag, die wurde plötzlich von Engeln besucht. Das ist typisch für die Engel: Sie kommen in die dunkle Nacht und bringen das Licht Gottes.
Das ist das Geheimnis von Weihnachten: Die dunkle Nacht bleibt ja, alles, was alltagsgrau, mühsam und bedrückend ist, das geht nicht weg mit Weihnachten. Das wird uns begleiten, solange wir leben. Aber da hinein bringen die Engel Licht. Und ihre Nachricht lautet: Ihr seid nicht allein in eurer dunklen Nacht. Gott kommt und bringt das Licht aus seiner Welt zu euch.
Lassen Sie sich das von den Engeln sagen!
Nicht genug
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