Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

20.12.08, Antje Borchers

Den Engeln auf der Spur

Seit etwa 20 Jahren versucht er, den Engeln auf die Spur zu kommen: Dr. Uwe Wolff, Lehrer an einem Hildesheimer Gymnasium, Buchautor und: Engelforscher.

Geht das überhaupt? Kann man Engel, diese Wesen aus einer anderen Welt, mit wissenschaftlichen Methoden erforschen?

Uwe Wolff: »Man kann es, indem man der Methode der Phänomenologie folgt. Ein Phänomen, das ist eine Erscheinung. Und wenn Menschen von Engeln berichten, dann kann man diesen Engelgeschichten nachgehen. Und das ist das, was ich mache: Ich erforsche also die Erfahrung, die Menschen mit Engeln gemacht haben.

Autorin: Bei der Erforschung der Engel stellt Uwe Wolff drei Gesetzmäßigkeiten fest. Erstens: Engel kommen in allen Weltreligionen vor. Zweitens: Engel kommen auch vor in den Geschichten von Menschen, die nicht gläubig sind. Mehr als 60 Prozent der Deutschen zum Beispiel glauben an Engel.

Uwe Wolff: »Denn die Engel, sie stehen ja nicht für Theo-Logie, sondern für Theo-Poesie, für die Lust an der Erfahrung. Menschen können sagen, ich habe hier an diesem Punkt meines Lebens Gott erfahren, ohne deshalb gleich sich konfirmieren oder firmen lassen zu müssen. Der Engel, das ist der Gott im Kleinen, der Gott für mich.«

Autorin: Man könnte sagen: Gott selbst ist wie die Sonne, ist geballte Energie, in die ein Mensch gar nicht reinschauen kann, ohne blind zu werden. Der Engel…

Uwe Wolff: »Der Engel ist auch Gott, aber der Engel ist sozusagen das kleine Licht Gottes, was ich ertrage.«

Autorin: Der populärste aller Engel ist der Schutzengel, denn viele Menschen verbinden mit ihm glückliche Erlebnisse: Bewahrung in brenzligen Situationen auf der Autobahn. Oder nur eine kleine Schramme, obwohl ein Kind böse die Treppe hinabgestürzt ist. – Da sagt man: ’Da hast du wohl einen Schutzengel gehabt’.

Uwe Wolff: »Wenn man aber fragt, ja, was ist denn mit dem Kind, was die Treppe hinunterstürzte und schwer verletzt wurde oder vielleicht auch starb, wo war denn da der Schutzengel? Dann merkt man, dass der Schutzengel nicht nur zu tun hat mit glücklichen Erlebnissen des Überstehens von Gefahren, sondern dass er ganz tief hineinführt auch in Grenzfragen.«

Autorin: Genau hier hat Uwe Wolff die dritte Gesetzmäßigkeit bei der Erforschung der Engel festgestellt:

Uwe Wolff: »Zum Beispiel erzählen viele Menschen, dass sie gerade im Scheitern, in der Gefahr den Engel gespürt haben. Dass sie den Engel nicht gespürt haben als eine Macht, die ihnen den Weg auf die Krebsstation abgenommen hat, sondern gerade im Gang in diese Krankheit hinein.«

Autorin: Der Engel ist also nicht derjenige, der uns immer eine heile Welt schenkt. Sondern er schenkt uns die Hoffnung auf Heilwerden in Situationen, wo wir leiden. Bei seiner Beschäftigung mit Engeln stieß Uwe Wolff auch auf eine interessante Zahlenangabe, die Martin Luther machte: ‚Wo zwanzig Teufel sind, da sind gewiss auch hundert Engel. Und wenn das nicht so wäre, dann wär’s auf der Erde gar nicht auszuhalten.’ – Ein Zahlenverhältnis von eins zu fünf. Woher weiß Luther das?

Uwe Wolff: »Das weiß der natürlich auch nicht. Von Engeln zu sprechen, heißt immer, sich vertraut machen mit der Welt der Symbolik. Das will Luther sagen: Das Verhältnis von Engel und Teufel ist so, dass du, Mensch, sicher sein kannst, wie sehr du auch bedrängt wirst von dunklen Mächten – denn dafür steht ja das Symbol des Teufels –, wie sehr du auch leidest unter bestimmten  Situationen, du darfst im Glauben gewiss sein: Die Kraft des Guten, für die der Engel steht, ist unendlich viel größer, nicht nur fünf Mal größer, sondern tausend mal tausend Mal größer als die Kraft des Bösen.«

Audiobeitrag Den Engeln auf der Spur


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