Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

04.12.08, Pfarrer Rüdiger Schnurr

Ewig-Vater (die Liebe, die nie aufhört)

Weil Gott als Kind in diese Welt gekommen ist, feiern wir bald Weihnachten und in den Wochen davor stellen wir uns darauf ein.

So machen es ja auch werdende Eltern, die ein Kind erwarten. Und wenn es dann da ist, geben sie die Geburt bekannt, voller Freude und Stolz; sie verschicken Karten an Verwandte und Freunde oder sie geben eine Anzeige in der Zeitung auf.  Die Adventszeit, dürfen wir, liebe Hörerinnen und Hörer nutzen, um uns ebenso auf die Geburt Jesu vorzubereiten.  Vielleicht könnten wir auf unsere Weihnachtsgrüße einen Satz schreiben, den schon der Prophet Jesaja geschrieben hat: „Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben…“ Und dann folgen die Namen: „Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst“.

Über die ersten beiden Namen haben wir uns schon gestern und vorgestern gewundert. Sehr kindlich kommen sie uns nicht vor. Aber den Namen soll ein Kind ja sein ganzes Leben tragen. Hinter dem dritten Namen „Ewig-Vater“, oder „Vater in Ewigkeit“ ein Kind zu erkennen, fällt darum nicht leicht.  Aber vielleicht ist es doch nicht so schwer?

Wieder ist es das Kind, Jesus selbst, das uns auf die Spur bringt: Ein wirklich guter Vater, einer also, der es verdient, so genannt zu werden, hat sich die innere Nähe zu seinem Kind bewahrt. Er wird wissen, was in ihm vorgeht, wie es fühlt, warum es sich freut oder warum es enttäuscht und traurig ist. Er lässt seinem Kind nicht alles durchgehen, aber er hält ihm immer einen Weg zu seinem Herzen frei.

Jesus hatte diesen Weg zum Herzen seines himmlischen Vaters, er nannte ihn Abba, Papa oder Vati, wie ein Kind eben. Und das tat er noch, als er selbst schon erwachsen war. Und er ermunterte seine Jünger es ihm gleichzutun: Sagt „Abba“, also ‚Papa’ zu Gott, eurem Vater im Himmel.

Und dann erzählte er von Gott wie man von einem guten Vater erzählt: Wie der seinen Sohn in die Welt hinausziehen lässt. Geld hat er ihm gegeben, viel Geld, das ganze Erbteil. Und dann wartet er, eine lange Zeit. Ob sich sein Sohn irgendwann meldet und berichten kann: mir  geht es gut. Ich kann auf eigenen Füßen stehen. Du kannst stolz auf mich sein? Viel Zeit vergeht und  keine Nachricht kommt. Eines Tages aber taucht sein Sohn wieder auf: Völlig am Ende, alles verloren, das viele Geld weg, dreckig und ausgehungert ist er. Er sucht auch keine Entschuldigungen: „Ich hab’s vermasselt, Vater, vor Gott und vor dir!“ Damals wusste man noch, dass Schuld vor Menschen immer auch vor Gott mitzählt. Aber bevor sein Sohn etwas sagen kann, nimmt sein Vater ihn in die Arme und freut sich wie verrückt: Mein Junge ist wieder da, alle hielten ihn für tot, aber er lebt, er war verloren, aber ich habe ihn wieder gefunden. Und dann wird ein Fest gefeiert, wie Weihnachten.

Und allen ist klar, wovon Jesus erzählt: Dieser Vater ist Gott selbst. Ein Ewig-Vater, ein Vater in Ewigkeit. Natürlich schwingt da auch mit, dass Gott keinen Anfang und kein Ende hat. Er ist der Schöpfer von Himmel und Erde, er ist ewig. Aber mehr noch sagt das etwas darüber, wie gut und schön es ist, in der Liebe dieses Vaters zu Hause zu sein.

Den Namen „Ewig-Vater“ trägt das Kind, das uns geboren ist, damit wir uns darüber freuen, dass sein Vater im Himmel auch uns den Weg zu seinem Herzen bis ans Ende der Zeiten frei hält. Ein Kind würde sagen: Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen

Audiobeitrag Ewig-Vater (die Liebe, die nie aufhört)


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