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Friede-Fürst (Nichts weniger als ds Unmögliche erwarten)
Weil die Kinder die Zukunft der ganzen Welt sind, muss die Weltpolitik eine Politik aus dem Blickwinkel der Kinder werden,
dann wird die Zukunft für alle nachhaltig besser gestaltet. Zugegeben, liebe Hörerinnen und Hörer, das ist eine steile Forderung. Aber ich stehe zu ihr. Ich habe mit Ihnen in den letzten Tagen über die Namen eines Kindes nachgedacht, die beim Prophet Jesaja geschrieben stehen. Die ersten Christen sagten sich: Mit diesen Namen wird das Kind in der Krippe im Stall von Bethlehem beschrieben. Das Kind ist Jesus, der Sohn von Maria und Josef und zugleich der Sohn Gottes.
Ja, Gott selbst ist in Jesus ein Kind geworden. Jesaja erwartete von dem Kind, das Wichtigste, was es geben kann: Den Frieden. Darum trägt das Kind bei ihm auch den Namen Friede-Fürst.
Wo wäre die Forderung, eine Politik aus dem Blickwinkel der Kinder zu gestalten, angebrachter, als wenn es um den Frieden geht. Aber noch nie ist danach gefragt worden, wenn ein Krieg geführt werden sollte.
Jesus, dieses Kind im Stall, hat einmal gesagt: das, was bei den Menschen unmöglich ist, ist bei Gott möglich. Da ging es zwar um die Erlangung der Seligkeit des Menschen bei Gott, aber die Bibel trennt da nicht so, wie wir. Der Frieden gehört zur Seligkeit. Im Grunde ist das sogar eins.
Jesus hatte eben einen ganz anderen Blick auf Gott als andere. Er traute Gott auch das Unmögliche zu. In dem chinesischen Märchen Warum es keinen Krieg geben kann, kommt zwar Gott nicht vor, aber die Antwort die wir dort lesen, passt zu dem, wie Jesus dachte:
Sprecherin: Zwischen zwei Völkern drohte ein Krieg auszubrechen. Auf beiden Seiten der Grenze lagerten sich die Heere. Auf beiden Seiten schickten die Feldherrn Kundschafter aus. Sie sollten herausfinden, wo man am leichtesten in das Nachbarland einfallen könnte. Beide Kundschafter kehrten zurück und berichteten ihren Feldherrn: Es gibt nur eine einzige Stelle an der Grenze, wo wir in das andere Land einfallen können. überall sonst sind hohe Gebirge und tiefe Flüsse. An dieser Stelle aber, so erzählten sie, hat ein Bauer sein Feld. Er wohnt dort in einem kleinen Haus mit seiner Frau und mit seinem Kind. Sie haben sich lieb. Sie sind glücklich. Ja, es heißt, sie sind die glücklichsten Menschen der Welt. Wenn wir über das kleine Feld ins Feindesland einmarschieren, zerstören wir das Glück. Also - so sagten die Kundschafter - kann es keinen Krieg geben. Das sahen die Feldherrn dann auch wohl oder übel ein, und der Krieg fand nicht statt - wie jeder Mensch begreifen wird. (in: Hrsg. Dietrich Steinwede, das Hemd des Glücklichen, Gütersloh 2.Aufl., 1977, S.55)
Einfältig und naiv könnte man die Kundschafter und die Feldherrn nennen. Und die Situation ist reichlich absurd. Aber ich finde sie nicht absurder als alle Kriege, aus welchen Gründen auch immer sie geführt werden. Nur etwas hat dieses Märchen der Realität voraus: Eine Hoffnung. Die Hoffnung auf Menschen, die einfältig genug sind, das Glück von Kindern und Eltern für wichtiger zu halten als einen Krieg zu gewinnen. Jeder Krieg würde nämlich überflüssig, wenn das der Maßstab des politischen Handels wäre: Das Glück zu erhalten.
Jesus, Friede-Fürst. Möglicherweise tun Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, diese Gedanken als ein Märchen ab. Ein schönes zwar, aber eben zu schön, um wahr zu sein. Jesus aber war kein Märchenonkel, der mit seinen Ideen zur Unterhaltung beitragen wollte. Jesus hat ernst gemacht mit seinem grenzenlosen, kindlichen Vertrauen. Und als alle bis auf einige wenige sich gegen ihn stellten, gewissermaßen Krieg gegen ihn führten, da schlug er nicht zurück. Er tat etwas völlig absurdes: Er schloss Frieden mit denen, die ihn kreuzigten.
Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, sagte Jesaja und die Herrschaft ruht auf seinen Schultern. Und der Friede wird kein Ende haben.
Friede-Fürst (Nichts weniger als ds Unmögliche erwarten)
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