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Sprachförderung
Kann man sich eigentlich vorstellen, dass irgendwann mal jemand durch den Rost fällt? Und dann gleich eine ganze Generation?
In meiner Heimatstadt Duisburg beispielsweise ist es bald so weit. Gemäß den Ergebnissen der seit einiger Zeit durchgeführten Sprachtests haben hier zwei von drei Kindergartenkindern Sprachförderungsbedarf. Wer meint, das hänge speziell im Ruhrgebiet mit dem hohen Anteil an Zugewanderten zusammen, hat nur bedingt Recht. Fünfzig Prozent, nicht aber zwei Drittel der Minderjährigen in Duisburg haben einen Migrationshintergrund. Und natürlich gibt es auch Kinder aus Zuwanderungsfamilien, die gut Deutsch sprechen. Die wichtigste Ursache des Sprachförderungsbedarfs liefert der kommunale Sozialbericht: Jedes dritte Kind lebt in Armut; das heißt von öffentlichen Zuwendungen. ARGE. Sozialamt.
Armut macht dumm. Und Dummheit macht arm. Dieser Teufelskreis gilt für alle, unabhängig von Herkunft, Staatsangehörigkeit, kulturellem oder religiösem Hintergrund. Das trifft nicht nur für Duisburg zu, sondern überall in Deutschland. Denn in keinem anderen EU-Land hängen die Bildungschancen so stark von der sozialen Herkunft ab wie hier. Herkunft ist Zukunft!
Spätestens vor dieser Erkenntnis brauchen auch die christlichen Kirchen so etwas wie Sprachförderung. Denn gerade sie bleiben oft merkwürdig stumm, wenn es darum geht, was unsere Gesellschaft mit der nachwachsenden Generation anrichtet. Vielleicht liegt es daran, dass die Kirchen zwar durchaus die fehlenden Bildungs- und Teilhabechancen sehen, aber trotzdem zunehmend ihre Kindergärten schließen. Schweigen ist nicht immer Gold. Denn auch die Kirchen können sich schon längst nicht mehr aussuchen, ob sie sich mit diesem Thema auseinandersetzen wollen oder nicht. Die Kinder, die nicht wirklich sprechen können, werden nämlich von ihren Eltern, die von der Stütze nicht wirklich leben können, schon längst nicht mehr zur Taufe gebracht. Not lehrt keineswegs automatisch beten, sondern führt zu Apathie und Gleichgültigkeit.
Dagegen anzugehen ist allerdings nicht in erster Linie eine Frage an Gremien und Institutionen, sondern eine an Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, und an mich. Gestern war der Erste Advent. Die vorweihnachtliche Zeit des Wartens auf die Geburt Jesu hat begonnen. Advent ist natürlich die Zeit von Glühwein, Plätzchen und Kerzenschein. Es ist aber erst recht die Zeit, in der durch das Warten auf das eine Kind alle Kinder in den Mittelpunkt gestellt werden sollten.
Jeder von uns kann den Mund aufmachen, wenn die schon fast verzweifelte Lage der jungen Menschen schön geredet oder gesund gebetet wird. Wir alle und alle einzeln können dazu beitragen, dass die Zukunft der Kinder nicht etwa nach Finanzkrise, Irak und Bundesliga ein Thema unter tausend anderen bleibt, sondern das Thema wird, das sich durch alle anderen hindurch zieht. Denn all die schönen Sonntagsreden über die Zukunft unserer Gesellschaft sind schon heute nichts wert, wenn man sie in ein paar Jahren nicht mal mehr wird fehlerfrei lesen können.
Sprachförderung
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