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Gleiches Recht
Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, als Mann und Frau. Ein grundlegender biblischer Satz, der schlicht und knapp ausdrückt:
Männer und Frauen haben nach Gottes Willen gleichen Anteil am Menschsein. Oder anders gesagt: Männer und Frauen sind vor Gott gleichberechtigt und sollen deshalb auch so miteinander leben. Zu meiner Zeit war das kaum von der Realität gedeckt. Männer allein waren Ernährer, Chefs, Politiker. Nicht zu vergessen: der so genannte Haushaltsvorstand. Die Frau gehörte allenfalls dazu. Wie die Kinder, das Auto und die Kommode im Flur. Bei festlichen Anlässen war sie ein je nach Finanzkraft auf Hochglanz poliertes Accessoire an der Krone der Schöpfung.
Die Freundinnen meiner Söhne legen durchaus Wert auf gewisse Äußerlichkeiten. Ihre Highheels und bauchfreien Tops sind ihnen mindestens so wichtig wie die Petticoats in den Fünfzigern. Aber daraus den Schluss zu ziehen, dass sie auch nur in einer einzigen relevanten Frage den Jungs unterlegen oder nachgeordnet seien, würde ihnen im Traum nicht einfallen. Eine Beschränkung auf Kinder Küche Kirche ist für die jungen Frauen von heute so unvorstellbar wie die Gesellschaftsordnung des Mittelalters. Dabei liegt zwischen damals und heute nicht viel mehr als ein halbes Menschenleben. In dieser Zeit hat sich manches getan. Ohne Streit, ohne Polarisierung und ohne heiligen Zorn hätte sich kaum so viel bei den Frauen bewegt.
Eine wie die Journalistin Alice Schwarzer, die übrigens heute 66 Jahre alt wird, kann davon vermutlich ein Lied singen. Und auch davon, dass ihrem persönlichen Engagement und dem der Frauenbewegung nicht nur der ungebrochene Erfolg beschieden war und ist. Es gibt Umwege, Rückschläge und Unbelehrbare. Und weil Gott den Menschen ja nicht zufällig als Mann und Frau zu seinem Bilde schuf, können wir hinter die Gleichberechtigung von Männern und Frauen noch keineswegs einen Haken machen wie an ein realisiertes Projekt.
Für gleiche Arbeit werden Männer und Frauen immer noch nicht gleich bezahlt. Frauen mit Kindern können immer noch ungleich schwerer berufstätig sein als ihre männlichen Kollegen. Das ist nicht etwa bloß der Schönheitsfehler einer ansonsten rundherum gerechten Gesellschaftsordnung. Eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung des Arbeitsmarktes meiner Heimatstadt zeigt: Bei der Zuweisung von Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen durch die örtliche ARGE gibt es zwei deutlich unterrepräsentierte Gruppen - Zuwanderer und Frauen. Wo so etwas gang und gäbe ist, sind wir von dem biblischen Anspruch an ein gleichberechtigtes Miteinander der Geschlechter ziemlich weit entfernt.
Die Frage nach der Gleichberechtigung ist deshalb ein Thema, das sich gerade Christinnen und Christen immer noch und immer wieder neu stellt. Gerade um des Glaubens und der eigenen Glaubwürdigkeit willen. Schließlich profitiere ich ja als Mann durchaus davon, wenn sich der Männlichkeitskrampf löst: Ich muss nicht alles selbst können. Nicht alles selbst machen. Und meine antrainierten Allmachtsphantasien schrauben sich auf Menschenmaß zurück.
Gleiches Recht
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