Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

05.12.08, Pfarrer Titus Reinmuth

Nikolaus

Man hört ihn nicht, man sieht ihn nicht. Allenfalls weht noch der Vorhang, oder es riecht auf einmal nach Äpfeln und Nüssen. Dann war er da: der Nikolaus.

Musik: Kinder, stellt die Stiefel raus, morgen kommt der Nikolaus. Wenn es raschelt im Haus heute Nacht, still und heimlich, dass niemand erwacht, sind es ganz bestimmt keine Mäuse, sondern viele liebe kleine Nikoläuse.

So wird es sein: Kinder putzen ihre Stiefel und stellen sie vor die Tür, sie schlafen heute Abend vor Aufregung kaum ein – und dann, morgen früh, schleichen sie sich vorsichtig aus dem Bett und schauen neugierig um die Ecke. Dann hat er etwas gebracht. Nicht nur Äpfel und Nüsse, sondern auch reichlich Schokolade und vielleicht ein kleines Geschenk. Viele Kinderaugen werden strahlen vor Freude, und die Erwachsenen freuen sich gleich mit.

Womöglich kann auch jemand eine Geschichte vom Bischof Nikolaus erzählen. Eine Legende besagt, der Bischof habe die Hafenstadt Myra vor dem Hungertod bewahrt. Die war von Piraten eingenommen. Der Bischof versilberte kurzerhand die gesamten Kirchenschätze und erkaufte damit die Durchfahrt ägyptischer Getreideschiffe.

Genauso beherzt hat er armen Familien und Kindern in seiner Stadt geholfen. Einmal soll er ein Säckchen Geld von oben durch einen Kamin geworfen haben, direkt in die Stiefel, die dort zum Trocknen standen. So ist Nikolaus seither nicht nur der Schutzheilige der Seeleute, sondern auch ein Freund der Kinder.

Heutzutage kommt der Nikolaus bei manchen tatsächlich vorbei: mit rotem Mantel, schweren Stiefeln und weißem Rauschebart. Gelegentlich hat er noch Knecht Ruprecht an seiner Seite oder wenigstens dessen Rute zur Hand. Den Weg zu den strahlenden Augen der Kinder musste sich Nikolaus nämlich erst bahnen. Da gab es früher finstere Figuren: Hans Trapp oder Hans Muff hießen sie – und um das Jahr 1300 war es der „Rauhe Percht“, Ruprecht, der wohl bekannteste Gegenspieler des guten Bischofs. Diese Gestalten wollten nur eins: die Kinder einschüchtern und ihnen Strafe androhen für den Fall, dass sie nicht spurten.

Gegen die finsteren Drohungen im Kinderzimmer leuchtete die freundliche Figur des Nikolaus. Er schenkte Kindern Beachtung, er verströmte Geborgenheit, er ließ ihnen etwas Gutes zukommen. Der mit der Rute hat nichts mehr zu sagen – und der mit der Liebe setzt sich durch. Gut so. Denn was sollen wir mit Strafen? Ich jedenfalls kann meinem Kind nicht drohen. Und strahlende Kinderaugen sehe ich viel lieber als traurige.

Loben wirkt. Belohnung zahlt sich aus. Ein ermunternder Blick, ein „hej, das hast du gut gemacht“, ein Lob, das von Herzen kommt, Worte, die genau beschreiben, was gut war und bestärkt werden soll. Loben wirkt. Nikolaus, der Freund der Kinder, er steht heute für eine andere Erziehung: Wer Gutes will, wird Gutes vorleben. Und wer glückliche Kinder will, macht sie glücklich. 

Musik: Kinder, stellt die Stiefel raus, morgen kommt der Nikolaus.

Rolf Zuckowski, „Morgen kommt der Nikolaus“, CD: Rolf und seine Freunde: Wir warten auf Weihnachten, Track 2, Universal Music 1992.

Audiobeitrag Nikolaus


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen