Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

19.11.08, Pfarrerin Susanne Schart

Buß- und Bettag

Autorin: Guten Morgen zum Buß- und Bettag. Heute wird er gefeiert. Es ist kein Tag wie jeder andere. Auch wenn das die Wenigsten wissen.

O-Töne: „Der BBT? Ich als Protestant kann das leider wirklich nicht sagen.“ „Auch ich als Katholikin kann’s nicht sagen.“ „Ich weiß nur, dass es ein Feiertag ist.“ „Ein Feiertag, wo man früher nicht arbeiten brauchte. (lacht) Heute ist das egal.“

Autorin: Heute also Buß- und Bettag. Zugegeben, sehr verlockend klingt das nicht: Es erinnert an Not und schlechte Zeiten. Wenn es ganz dicke kommt, hilft nur noch beten. Und „Büßen“ wirkt noch schlimmer. Eine Strafe verbüßen. Das wirst du mir büßen. Lohn-, Finanz- und sonstige Einbußen. Das alles klingt verstaubt, nach Strafe und Gericht, nach Sack und Asche, Büßerhemd und schlechtem Gewissen. Dabei ist es ein durch und durch positiver Tag. Im 16. Jahrhundert wurde der Bußtag auf kaiserliche Anordnung eingeführt. Gemeinschaftliches Beten und Fasten sollte Notsituationen abwenden. 1995 wurde der Tag in Deutschland zur Finanzierung der Pflegeversicherung als gesetzlicher Feiertag abgeschafft. Staatlich ist er nur noch ein Arbeitstag wie jeder andere. Nicht aber für die Kirche.

O-Ton: „Das ist von der ev. Kirche ein hoher Feiertag. Tut Buße, das Himmelreich ist nahe. So steht das.“

Autorin: Und so ist es von Jesus in der Bibel überliefert. Nur was hat er damit gemeint? Etwa gemeinsam fasten und beten vor den Geldinstituten, um eine drohende Finanz- und Wirtschaftskrise noch abzuwenden?

O-Töne: „BBT? Man soll auf sein Leben zurückgucken.“ „Wenn ich mich recht erinnere: tut Buße und gehet in euch.“

Autorin: Innehalten. Sich besinnen. Martin Luther forderte: das ganze Leben soll eine Buße sein. Doch wenn schon nicht täglich, dann doch vielleicht einmal im Jahr am Buß- und Bettag. Die Hektik des Alltags bewusst unterbrechen und sein Leben bedenken: Bin ich zufrieden mit dem, was ich so tagtäglich tue. Läuft mein Leben rund oder ecke ich überall nur an - im Beruf. In der Familie. Bei den Freunden?

O-Töne: „Man hat was getan, was nicht ganz richtig ist. Streut Asche auf sein Haupt, erniedrigt sich selbst und bittet um Verzeihung.“ „Manche Leute beten da so und so viele Ave Maria. Das ist wohl nicht das, worauf es wirklich ankommt.“

Autorin: Statt Sack und Asche, mein Leben bedenken und positiv verändern, wo es nötig ist. Statt den Abend im Büro zusammen mit der Familie verbringen. Die alten Streitigkeiten endlich begraben und sich versöhnen. Den Mut aufbringen, sich zu entschuldigen und anderen zu verzeihen.

O-Töne: „Buße tun: sich seiner eigenen Fehler bewusst werden und um Vergebung bitten.“ „Buße. Ja, Buße tun. Sünden bereuen. Sich bessern.“

Autorin: Buße tun heißt umkehren von Wegen, die weder meinen Mitmenschen noch mir selbst gut tun. Wer Buße tut, der macht nicht weiter wie bisher, sondern richtet sein Leben neu aus. Wer umkehren und neu beginnen will, kann dabei auf eine zweite Chance vertrauen. Wie sagte schon Martin Luther: „Buße tun heißt umkehren in die offenen Arme Gottes." Der Buß- und Bettag bietet einmal im Jahr die bewusste Chance, sein Leben zu ordnen und neu anzufangen. Ohne die Last der Vergangenheit. Für Umkehr ist es nie zu spät. Jeder Zeit kann ich umkehren. Am besten gleich heute. Denn der Buß- und Bettag ist nicht nur ein Neubeginn, sondern auch ein Hausputz für die Seele.

O-Ton: „Buße tun ist positiv. Sehr positiv sogar. Es ist ’ne Befreiung für seine Seele. Für seinen Geist. Für sein Eigenes.“

Audiobeitrag Buß- und Bettag


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