Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.11.08, Antje Borchers

Gott hat wieder Platz

»Gott hat wieder Platz auf den Theaterbühnen«, so lautete eine Zeitungsschlagzeile zu Beginn der aktuellen Theater-Saison.

Vom hohen Norden bis in den tiefen Süden ist Gott Thema: Im Theater an der Ruhr in Mühlheim zum Beispiel wird das Kabarett-Stück »Oh, mein Gott – Wozu brauchen wir Religionen?« aufgeführt. In München kann man die Inszenierung sehen »Als Gott begann uns zu belügen«. Und hier in Lemgo »An der Arche Noah um Acht«. Im neuen Theaterprogramm ist alles dabei: Kritisches, Bildendes, Respektloses, Nachdenkliches rund um Gott.

Die Theaterleute haben nämlich festgestellt: »Menschen interessieren sich für Glaube und Religion«. Diese Erkenntnis ist ja nicht gerade neu, neu ist aber: Menschen interessieren sich für Gott, und zwar öffentlich. Sie denken nicht nur im privaten Kämmerlein über Gott und Religion nach, sie wollen mit allen Sinnen etwas erfahren: auf Pilgerpfaden spirituelle Erfahrungen erwandern, auf CDs »Die Bibel – eine gesprochene Symphonie« hören, vom Schauspieler Ben Becker gelesen und in Szene gesetzt, im Theater etwas sehen und erleben und in der Kneipe hinterher mit anderen über Gott und die Welt reden. Dieses Interesse an Religiösem hat die Theaterleute bewogen, Gott auf die Theaterprogramme der Republik zu setzen.

»Religiöses hat wieder Platz in der Kirche« – auch das wäre eine Schlagzeile, über die ich stolpern würde. Denn wo, wenn nicht in der Kirche, stehen Gott und Glaube auf dem Programm!? Stimmt, aber auch in der Kirche hat sich das Programm etwas gewandelt. Denn Menschen wollen auch hier nicht nur still beten, sie wollen mit allen Sinnen Religiöses erfahren.

Mir geht es genau so. In unserer Kirchengemeinde zum Beispiel stehen seit diesem Jahr Segnungs- und Salbungsgottesdienste auf dem Programm, an zwei Sonntagen im Jahr, sozusagen als Saisonhöhepunkte. An diesen Sonntagen lasse ich mich morgens besonders gerne vom Glockenläuten in die Kirche locken, denn bei solch einem »Saisonhöhepunkt« spüre ich Gottes Güte hautnah. Beginnen tut der Gottesdienst mit dem ganz normalen Programm, also Singen, Beten, Vorlesen von Bibeltexten, Predigt. Und dann kommt der Segnungsteil. Der Pfarrer lädt uns ein, zu einer von sechs Segnungs-Stationen zu kommen. Dort steht ein Stuhl und drei Menschen erwarten mich. Ich gehe also nach vorn, stehe ein bisschen in der Schlange – denn viele Leute warten mit mir zusammen dort – und setze mich dann hin. Die drei Menschen tun mir nun im Namen Gottes etwas Gutes: Zwei stärken mit ihren Händen meinen Rücken und eine dritte Person zeichnet mir mit gut riechendem Öl ein Kreuz auf meine Stirn und in meine beiden Handflächen. Dabei sagt sie mir zu: Antje, ich segne und salbe dich im Namen des dreieinigen Gottes, der dich ins Leben gerufen hat, der dein Leben erlöst hat und der dir Kraft zum Leben gibt. Geh hin im Frieden, Gott ist mit Dir.« – Mit dieser gespürten Zusage gehe ich leichten Schrittes wieder zu meinem Platz in der Kirche. Und danach auch in die Woche. – Die stärkenden Hände in meinem Rücken spüre ich noch Tage später.

Im Grunde ist es ganz egal, wo mir Gott in dieser Saison begegnet und Gutes tut, ob im Theater, auf einem Pilgerpfad oder in der Kirche. Hauptsache, meine persönliche Schlagzeile danach lautet: »Gott hat wieder Platz in meinem Leben«. – Das wünsche ich Ihnen auch! – Bis morgen!

Audiobeitrag Gott hat wieder Platz


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