Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.11.08, Beate Raguse

Heilger Martin

Wir fanden die Idee einfach nur witzig. An St. Martin wollten wir für unsere Friedensgruppe werben.

Das bot sich an: schließlich gibt es nicht nur die Legende vom heiligen Martin, der seinen Mantel teilt. Überliefert ist auch, dass Martin, nachdem er Christ wurde, seine Entlassung aus dem Militärdienst erwirkt hat. „Mir ist es nicht erlaubt mit der Waffe zu kämpfen“, soll er gesagt haben.

So  beklebten wir bunte Laternen mit Friedenssymbolen; einer Taube, einer Figur, die aus einem Schwert eine Pflugschar schmiedet, einem Ölzweig, einem Regenbogen, wir bastelten einen etwa einen Meter hohen Martin, der sein Schwert ablegt und  schlossen  uns am Martinstag dem Zug an.

Ein bisschen komisch war es dann doch, von den Passanten angeguckt zu werden. Manche  reagierten freundlich, andere guckten verstört, bis es plötzlich laut wurde. „Was soll das?“ giftete  eine Frau uns an. „Müsst Ihr euch ausgerechnet heute einmischen? Ihr stört die Kinder.“ „Ach“, sagte ich, „Ist mir noch gar nicht aufgefallen.“ Der Zug ging weiter. Ich ärgerte mich, doch dann sah ich wie Jasper – der schon lange in unserer Gruppe  war- ausscherte und zu der Frau lief. Wieder und wieder sah ich mich um. Die beiden unterhielten sich. Ich verstand nichts, aber es sah locker aus - wie ein Plausch.

Klasse, dachte ich, wie der das hinkriegt. Sich den Frieden nicht nur auf die Fahne zu schreiben, sondern auch mit vermeintlichen Gegnern friedfertig umzugehen.

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Heilger Martin


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