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Der Nachbar und seine Geschichte
Unsere Wohnung ist wirklich hellhörig. Aber was der neue Nachbar sich leistete, war einfach zuviel. Die ganze Nacht schallte es von drüben,
Radio oder Fernsehen oder sogar beides gleichzeitig. Meine Gedanken kreisten nur um eins; ihm die Meinung sagen.
Als ich aus dem Haus ging, sah ich, dass seine Wohnung hell erleuchtet war. Super, dachte ich, ist zwar reichlich früh, aber warum nicht? Ich klingelte, lief die fünf Stufen hoch. Morgen, setzte ich an, ich bin ihre Nachbarin, ich wohne direkt nebenan. Ach, hallo, sagte er, und lächelte von einem Ohr zum anderen, reichte mir die Hand: Kommen Sie rein. Ich war sprachlos. Mit Genervtheit hatte ich gerechnet, vielleicht mit Verlegenheit. Aber nicht damit, dass sich jemand einfach freut, dass es morgens um sieben bei ihm klingelt. Plötzlich kam ich mir furchtbar blöd vor, erklärte aber noch, warum ich eigentlich gekommen war und sah zu, dass ich schnell wegkam.
Seither fällt es mir häufiger auf: tagsüber stehen in der Nachbarwohnung alle Fenster offen. Sobald es dämmert sind alle Lampen an und ständig läuft- jetzt leise- das Radio. Was wohl dahinter steckt? Vielleicht wird mir der Nachbar ja eines Tages seine Geschichte erzählen. Auf der Straße nickt er mir zu, wenn wir uns treffen. Aber das einladende Lächeln aber habe ich erst mal verspielt.
Sprecherin: Christiane Birgden
Der Nachbar und seine Geschichte
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