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Präsidentschaftswahlen in den USA
200.000 werden ihm gleich zujubeln. Es ist der 24. Juli 2008 in Berlin. Hohe Sicherheitsmaßnahmen, Hubschrauber kreisen über Berlin.
Jeder Quadratzentimeter des abgesperrten Geländes ist untersucht. Die Menge vor dem Eintritt ins Areal gefilzt. Keine Glasflaschen, keine Nagelscheren, keine Messer. Da stehen sie nun schon seit Stunden in der sengenden Sonne und warten auf ihn. Hier sind so viele junge Menschen wie sonst kaum versammelt. Jetzt kommt er. Applaus, Sprechchöre, Begeisterung. Mit langen Schritten geht Barack Obama über die Bühne an der Siegessäule. Ganz allein. Das Jackett flattert im Wind. Manch einer hält die Luft an. Trotz aller Schutzmaßnahmen: Er ist allein. Ausgeliefert. Jederzeit kann den Farbigen, mit schwarzem Vater aus Kenia und weißer amerikanischer Mutter, eine Bombe, eine Kugel, ein Messer treffen. Und aus der Traum.
Am 4. April 1968 steht ein anderer ganz privat mit einem Freund vertrauensvoll und schutzlos auf dem Balkon seines Motels in Memphis. Der Friedensnobelpreisträger von 1964 könnte vielleicht eines Tages Präsident der USA werden das wünschen sich damals viele. Er hat Charisma. Er ist in der Welt anerkannt. Er hat Visionen für ein friedliches Zusammenleben der Völker. Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben, in der sie nicht nach der Farbe ihrer Haut, sondern nach ihrem Charakter beurteilt werden., sagte der Baptistenpfarrer einige Jahre zuvor in seiner großen Rede zum 100. Jubiläum der Aufhebung der Sklaverei. Sein Name, Martin Luther King, steht bis heute für gewaltlosen Widerstand gegen Rassismus und eine einmalige Bürgerrechtsbewegung in den USA.
Zweitausend Jahre früher: Da ist einer umringt von Menschen. Sie warten auf ein erlösendes, heilendes Wort. Er steigt auf einen Berg. Schutzlos sitzt er da und spricht zu der erwartungsvollen Menge. Seine Bergpredigt ist weltberühmt geworden. Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen. (Matthäus 5,6.9)
Auf ihn, Jesus, berufen sich Martin Luther King und Barack Obama. Obama hat sein Bekehrungserlebnis im Süden Chicagos, wo er als Sozialarbeiter in einem von Kirchengemeinden getragenen Stadtteilprojekt tätig ist. Hier leben bis heute Schwarze ohne Jobs, ohne Geld, in hoffnungsloser Lage. Eine Mitarbeiterin des Projektes sagt: Das Größte, was Barack Obama geschafft hat, ist: Menschen zu organisieren, sie zu trainieren, sie zu ermutigen. Denn wenn es dir nicht gelingt, sozusagen eine Art Armee von Soldaten zu bilden, die die Probleme in der Gesellschaft angehen, wer soll da weitermachen, wenn du selber weggehst?
Es ist gefährlich, wenn sich alle Hoffnung auf einen Menschen stützt. Martin Luther King trifft - auf dem Balkon seines Motels stehend - die Kugel eines heimtückischen Schützen. Obama erhält bereits vor der möglichen Wahl zum Präsidenten heute Morddrohungen. Umso wichtiger ist es, was Martin Luther King seinen Anhängern mit auf den Weg gab: Zerstört nicht, schlagt nicht, aber lasst alle im Land wissen, dass die Bewegung weitergeht, auch wenn man mich beseitigt.
Das verbindet alle drei: Jesus und auf seinen Spuren Martin Luther King und Barack Obama - dass sie Menschen stark machen, gewaltlos und unaufhaltsam für ihre Rechte einzutreten. Und in ihnen die Hoffnung stärken, dass der große Traum vom friedlichen Zusammenleben aller Völker und Nationen nicht umsonst geträumt ist.
Präsidentschaftswahlen in den USA
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