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Das Paradies im Angebot
Die Handlung war schlicht, ab und an gab es eine Bildstörung und die Bilder waren noch schwarz-weiß und doch verhießen die kurzen Episoden schon damals ein besseres Leben.
Im November 1956, als das Werbefernsehen in die privaten Haushalte einzog. Und der Zuschauer im heimischen Wohnzimmer zunächst die Spots sah, die er bisher nur aus dem Kino kannte. Den von einer Sekretärin, die trotz eines unverzeihlichen Fehlers dem drohenden Nervenzusammenbruch entkommt, weil der väterlicher Chef ihr beruhigende Tröpfchen empfiehlt. Vom Paar, dessen Abend harmonisch verläuft bis der Mann das frisch gewaschene Hemd bekleckert. Und immer wieder von der Hausfrau, der die Arbeit dank Tütensuppe, Staubsauger und dem richtigen Waschmittel leichter von der Hand geht.
Holger Tremel, heute Geschäftsführer des Gemeinschaftswerks Evangelischer Publizistik, nahm als einer der ersten die Versprechen der Werbeindustrie aus theologischer Sicht unter die Lupe. Er fand biblische Motive in Fülle und sammelte sie in einem Buch mit dem sprechenden Titel Das Paradies im Angebot.
Auch wer heute nach religiösen oder christlichen Aussagen in der Werbung forscht, muss nicht lange suchen. So verspricht der Automobilhersteller Renault sein Wagen sei Made in Paradise, der Konkurrent Citroen hält mit dem Versprechen Fahren wie Gott in Frankreich dagegen. Ausgerechnet eine Bank nutzt das archaische Bild vom Land, wo Milch und Honig fließt und dass ein ziemlich leibhaftiger Engel im Auftrag einer Versicherung Schaden von ihren Klienten abwendet, wundert niemanden mehr.
Nie waren sie so wertvoll wie heute, kommentiert denn auch der Religionspädagoge Manfred Pirner die Bedeutung religiöser Symbole für die Werbung. Werbung brauche sie, nicht nur weil sie Aufmerksamkeit wecken wie zum Beispiel eine Gruppe von Nonnen, die sich in einen Kleinwagen quetscht oder der Mann, der einen Knopf in den Klingelbeutel wirft, sondern vor allem auch um Gefühle anzusprechen und um eine Aura des himmlischen oder göttlichen zu schaffen. Auch Pirner kritisiert, dass Werbung mehr verspricht als sie halten kann, aber er will sie nicht nur negativ sehen. Ein Grund: durch den Gebrauch religiöser Symbole wecke Werbung die Sehnsucht nach tiefen, inneren Werten. Das habe er selbst mit einer Zigarettenwerbung erlebt, die einen Meditierenden zeigt.
Ich hatte das Motiv als Plakat eine Zeit lang in meinem Arbeitszimmer hängen. Immer wieder einmal, wenn ich zwischen den Arbeitsphasen Entspannung suchte, blieb mein Blick an ihm hängen, und ich merkte, wie mich die Haltung der Meditierenden auf dem Plakat ansteckte, wie ich selbst ruhiger und gelassener wurde. Und manchmal regte mich das Plakat auch an, über meine eigene spirituelle Praxis nachzudenken. Da ich kein Raucher bin, hatte ich dabei keinerlei Anfechtungen, etwa zu Zigaretten zu greifen oder gar diese bestimmte Marke zu kaufen. Er sei damit kein Einzelfall, sagt Pirner. Das Aufnehmen von Werbung sei viel aktiver als bisher angenommen. Besonders Kinder und Jugendliche würden gezielt Inhalte auswählen, sie zur Problemlösung nutzen und in ihr Weltbild einbauen.
Wie die Kindergruppe der Swimmies, die den Werbe-Slogan einer Fastfood - Kette für eigene Zwecke nutzte und beim Gemeindefest sang:
Stell dir vor, da ist ein Ort, du weißt schon wo, da schenkt man dir ein Lächeln und sagt: einfach gut, bei den Swimmies ist es einfach gut.
Das Paradies im Angebot
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