Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

Sondersendung zum Reformationstag: 31.10.2008, Pfarrerin Kerstin Hanke

Reformationstag - Die Entdeckung des barmherzigen Gottes

Der Sohn hat den ersten akademischen Abschluss bereits in der Tasche, da träumt der Vater schon von einem einträglichen Beamtenposten für sein begabtes Kind.

Doch ein Sommergewitter läßt die hochfliegenden  Träume zu Asche zerfallen.  Ein Blitz schlägt genau neben dem verängstigen Studenten ein. Martin wähnt sich in Todesgefahr, wirft sich zu Boden, sucht seine Rettung in einem Gelübde.

Film O-Ton: "Ich will ein Mönch werden." *

Autorin: Die Geschichte hat er als alter Mann selbst so erzählt. Da ist Martin Luther schon kein Mönch mehr, sondern der Reformator von Wittenberg, der Gründer einer neuen, vom Papst unabhängigen Kirche.

Musik, CD: Canto Gregoriano, CD1 Track 1 Ave Maris Stella, LC 12281

Autorin: Im Sommer 1505 zieht Luther zunächst die Mönchskutte eines der strengsten Orden seiner Zeit an. Denn hinter der spontan getroffenen Entscheidung steckt eine tiefe Angst. Die Angst vor der göttlichen Strafe für ein sündiges Leben.

Film O-Ton: „Martin sag: was suchst Du ? – Einen barmherzigen Gott. Einen Gott, den ich lieben kann. Einen Gott der mich liebt.“

Autorin: Die beklemmende Vorstellung eines gnadenlosen, göttlichen Richters teilt  Luther  mit der Mehrzahl seinen Zeitgenossen. Wenn Menschen sich so sehr vor Gott fürchten, dann lassen sie sich ihr Seelenheil einiges kosten.

Film O-Ton: "Können wir ihm entrinnen dem Feuer der Verdammnis am Tage des Strafgerichts ? Heute Abend schickt Euer Papst, der Stellvertreter Christi, ein großherziges Geschenk für euch. Ein Geschenk, das euch vor solchen Flammen bewahren soll: Einen besonderen Ablass."

Autorin: Teuer gehandelt werden Papierzettel, die selbst Verstorbenen eine Freisprechung von Sünden garantierten. Ein blühender Ablasshandel füllt die Kassen von Kirche und Landesherren.

Martin Luther ist mittlerweile Professor der Theologie in Wittenberg. Da er  entdeckt einen Satz des Paulus neu und erkennt: Gott ist barmherzig. Gott will den Menschen mit seinen Sünden nicht vernichten. Es ist ein liebender Gott, kein richtender Gott, den Luther von nun an predigt.

Daher kann Luther nun auch nicht mehr anders: Er muss gegen den Ablasshandel protestieren. Er versucht die Kirchenoberen zu überzeugen – ohne Erfolg. Dann macht er seine Kritik öffentlich: Am 31. Oktober 1517 schlägt Martin Luther dazu 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schloßkirche und verschickt sie an Kollegen. Seine wichtigste These: einen gnädigen Gott kann man sich nicht verdienen - weder durch Geld, noch durch gute Taten. Luther  will diskutieren, hat aber den empfindlichen Nerv getroffen:  In Worms muss sich Martin Luther vor dem Reichstag verantworten:

Film O-Ton: "Wollt ihr widerrufen oder wollt ihr nicht? Luther: Solange ich nicht durch die Heilige Schrift widerlegt werde und mit einleuchtender Vernunft ist mein Gewissen einzig dem Wort Gottes verpflichtet. Ich kann nicht und ich werde nicht  widerrufen."

Autorin: Luther muss flüchten, versteckt sich auf der Wartburg und nutzt die Zeit eine neue Aufgabe anzugehen: Innerhalb von nur elf Wochen übersetzt er die Bibel ins Deutsche. Luthers Bibelübersetzung wird durch Buchdrucker massenhaft verbreitet. Vom einfachen Volk bis zum Landesfürsten schließen sich immer mehr Menschen seiner Lehre an. Die Spaltung der Kirche in katholisch und evangelisch ist nicht mehr aufzuhalten. Luther selbst hat diese Spaltung übrigens nie beabsichtigt - er wollte die Kirche nur reformieren. 

*Film Oton Luther, 2003, Matthiasfilm

Audiobeitrag Reformationstag - Die Entdeckung des barmherzigen Gottes


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen