Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

22.10.08, Dr. Stefanie Schardien

Mission possible

Wie immer: ich komme auf den letzten Drücker zum Bahnsteig und mein Zug fährt gerade ab. Hektisch laufe ich zum Fahrplan und suche nach den nächsten Verbindungen.

Da spricht mich vorsichtig eine Frau von der Seite an. „Hätten Sie vielleicht eine kleine Spende für die Bahnhofsmission?“ Mann, ich bin im Stress. Sieht die das denn nicht? Genervt schüttel ich den Kopf „Nee, jetzt gerade nicht. Sorry.“ 

Aus dem Lautsprecher höre ich, dass mein nächster Zug Verspätung hat.
So leise wie die Frau gekommen ist, geht sie weiter. Jetzt, wo ich ohnehin Zeit habe, beobachte ich sie aus der Ferne. Wie unaufdringlich sie bittet. Wie freundlich sie sich bei jedem bedankt, der etwas spendet. Viele geben nichts. Vielleicht scheint es mir nur so, aber besonders viele übersättigte Damen mit prallgefüllten Einkaufstaschen schauen weg oder schütteln den Kopf und lassen die Frau links liegen. 
Zugegeben, Bahnhofsmission klingt ja auch ein bisschen übel nach Typen mit der Klampfe, die von Jesus singen. Dabei machen die richtig gute Sachen: sie helfen älteren oder behinderten Menschen auf dem Bahnhof, kümmern sich um allein reisende Kinder, um Obdachlose und eigentlich jeden, der dringend spontane Hilfe braucht. So gute Arbeit kann mir wohl mal ein bisschen Kleingeld wert sein. Ich laufe hinter der Frau her. „Moment, warten Sie mal, ich hab da noch was…“

Sprecher: Michael Birgden 

Audiobeitrag Mission possible


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