Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

22.10.08, Pfarrer Martin Vogt

"Das optimale Leben"

(Musik: Annett Louisan, “Das optimale Leben”; von der CD “Das optimale Leben” Track 15-LC:012465)- Die besten Dinge im Leben kann man nicht kaufen-man bekommt sie geschenkt.

Eine Binsenweisheit, klar. Aber wie bei den meisten Binsenweisheiten steckt da eine Erkenntnis hinter, die nicht ganz von der Hand zu weisen ist. In diesem Fall geht es um die Frage, was unser Leben ausmacht und was uns zufrieden stellt. Oft sind das ja gerade nicht die Dinge, die man kaufen oder sonst wie erreichen kann. Denn diese Dinge verhelfen uns häufig nur zu einer vordergründigen Zufriedenheit, die nicht lange anhält. Das jedenfalls meint Annett Louisan in ihrem Lied „Das optimale Leben“. Darin geht es um Menschen, die versuchen, so viel wie möglich aus ihrem Leben zu machen. Das kann dann zum Beispiel so aussehen:

Musik: „Du hast ’ne Versicherung, die dein Schicksal flankiert,
ein Bauzins aus Schwäbisch Hall, der dein Glück betoniert,
ein silberner Stern im Carport - alles wird gut …“

Wenn man also alles hat, was man braucht, dann könnte alles in Ordnung sein. Theoretisch zumindest. Tatsächlich ist es zwar was Tolles, ein Ziel zu erreichen. Doch die Freude darüber hält in der Regel nicht lange vor. Und schon geht die Suche weiter:

Musik: „Du suchst das optimale Leben, wenn’s geht über Tarif.
Doch leider bleibt der Kick niemals ultimativ.
Bis gestern war’s das Größte, heute wirkt es ordinär.
Denn jetzt, wo du alles hast, reicht’s nicht mehr.“

Wenn wir etwas erreicht haben, verliert es schnell seinen Reiz, und wenn wir etwas gekauft haben, wird das bald zu etwas ganz Normalem. Das ist nun mal so und wir müssten uns damit abfinden. Wenn es nicht die Möglichkeit gäbe, immer noch mehr zu kriegen, mehr zu erreichen, mehr zu kaufen. Und so sind wir ganz schnell wieder auf der Suche nach dem neuen Kick, der neuen Befriedigung.

Musik: „Einzig bleibt die Frage: Wann stellt sie sich ein,
die Zufriedenheit? Wer weiß da Bescheid?“

So richtig weiß ich da auch nicht Bescheid. Schließlich bin ich selbst oft genug mit meinem Leben unzufrieden. Aber neulich hatte ich einen optimalen Tag oder zumindest ein paar optimale Stunden. Da rief mich am Sonntagmittag ein Freund an und fragte, ob wir uns nicht mal wieder treffen könnten. Also gingen wir zusammen Essen, machten danach noch einen langen Spaziergang und quatschten über dies und das. Nichts Tiefschürfendes, aber es tat einfach gut. Und das Wetter war herrlich.

An diesem Tag habe ich gemerkt: Zufriedenheit ist tatsächlich nichts, was ich mir kaufen oder erarbeiten kann. Ab und zu ist sie einfach da und dann hab’ ich in der Regel nichts anderes getan, als mich darauf einzulassen. Auch an diesem Sonntagmittag bestand meine ganze Leistung darin, das Geschenk anzunehmen, das mir da von Gott in den Schoß fiel. Ich hab’ es in dem Moment geschafft, Arbeiten und unerledigte Aufgaben beiseite zu schieben. Dadurch entstand Platz für Wesentlicheres. Und auf einmal habe ich gemerkt, wie viel Schönes in meinem Leben drinsteckt: wie viel Freundschaft, wie viel Zeit und wie viele Möglichkeiten.

Audiobeitrag "Das optimale Leben"


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