Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.10.08, Pfarrer Jost Klausmeier-Saß

Selbstkritik

Wir müssen besorgt sein,wenn wir auf die steigenden Energiekosten schauen.Zum Oktober haben z.B.die Gasversorger zum wiederholten Mal innerhalb eines Jahres die Preise erhöht

Eine neue Schreckensmeldung für die Haushaltskassen zu Beginn der Heizperiode. Zudem: ein Ende nicht in Sicht, so scheint es. Gerade für die sozial Schwächeren vielfach eine Katastrophe. Und es ist ja nicht nur das Erdgas. Die Preise für Öl und Benzin sorgen ja schon länger für Gesprächsstoff und Leidensdruck.

Ich finde, wir dürfen auch mit gutem Recht kritisch sein, ob diese „Anpassungen“, wie die Erhöhungen so verharmlosend genannt werden, tatsächlich nötig sind. Oder ob dahinter nicht auch ein geschicktes „Kasse machen“ der Konzerne steckt, - und nicht nur die gestiegenen Forderungen der Rohstofflieferanten. Beim Gas ermittelt ja deshalb inzwischen die Bundesnetzagentur, ob die Großkonzerne sich nicht widerrechtlich eine billigere Konkurrenz vom Hals halten.

Sollte das tatsächlich so sein, dass einige Konzerne uns nicht nur beliefern, sondern mit übertriebenen Forderungen gleichzeitig „abzocken“ – dann dürfen wir mit Recht auch wütend sein. Denn Energie ist ein Grundbedürfnis. Niemand will und soll im Kalten sitzen.

Aber eins, finde ich, sollten wir bei aller berechtigten Sorge, bei aller berechtigten Kritik und vielleicht auch berechtigten Wut nicht aus den Augen verlieren:
- Dass wir, die Endverbraucher, viele Jahre gut und selbstverständlich billig gelebt haben;
- dass unser Lebensstandard auch deshalb so hoch war, weil Energie so billig war und wir deshalb genug für anderen Luxus übrig hatten;
- dass wir, weil’s ja nichts kostete, in den reichen Industriestaaten Energie geradezu verprasst haben;
- und dass wir uns eingebildet haben, dies ginge wohl immer irgendwie so weiter.
Geben wir’s zu: wir haben diesen Planeten leichtfertig und oberflächlich für eine Art Selbstbedienungsladen mit unendlichem Warenlager gehalten. Wir haben mahnende Stimmen, z.B. auch aus Umweltverbänden oder den Kirchen, nur zu gern überhört, wenn ein bewussterer Umgang mit den Ressourcen der Erde gefordert wurde. Oder wenn unser gewohnter Lebensstandard infrage gestellt wurde.

Das alles, finde ich, sollten wir nicht aus dem Blick verlieren. Wie gesagt: Wir dürfen besorgt, kritisch und - von mir aus - auch wütend sein. Aber die Selbstkritik sollten wir nicht vergessen. Wie sagt Jesus: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Also – die Verantwortung nicht nur bei den Anderen suchen, der Politik z.B. oder bei den Konzernen. Sondern auch bei sich selbst. Und sich dann ganz einfache Dinge vornehmen: nicht die Wohnung heizen und gleichzeitig lüften, keine unnötigen Kilometer mit dem PKW fahren. Verantwortung tragen eben alle, auch wir Konsumenten.

Audiobeitrag Selbstkritik


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