Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

25.10.08, Pfarrer Jost Klausmeier-Saß

Barmherzigkeit macht selig

O-Ton 1: Wir haben uns am Anfang monatlich getroffen und dann wurd’s hinterher wirklich wöchentlich. Und dann wurd’s ziemlich viel Arbeit (...).

Wir haben uns in Gruppen aufgeteilt - Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising, um halt das alles zu organisieren.

Autor: Clarissa Berke, Auszubildende aus Essen, hat viel Zeit investiert, vor allem Freizeit. Ihren Sommerurlaub. - Und Geld. Und viel Kreativität: Mit Freunden und Bekannten rund um ihren Essener Pfadfinderstamm hat sie ein Hilfsprojekt für Südafrika auf die Beine gestellt.

O-Ton 2: Wir haben halt mit der Planung schon 2004 angefangen und haben durch mehrere Aktionen Geld eingenommen. Haben Partys organisiert und die Einnahmen haben wir gesammelt. Wir haben von Firmen Geld bekommen. (...) Wir haben von Familien Spenden bekommen. (...).

Autor: Ein Freund hatte Kontakt nach Südafrika. War dort gewesen. Hatte viel Armut und Elend gesehen. Und dann in seinem Freundeskreis von den Lebensbedingungen in manchen Gebieten Südafrikas berichtet. So war bei den Essenern die Idee gewachsen. - im reichen Deutschland Geld sammeln, - nach Südafrika fliegen, um dort ausgewählte Projekte zu unterstützen.
Finanziell – und durch eigenes Zupacken.

O-Ton 3: Dieses Geld haben wir dann mehreren Einrichtungen zukommen lassen. Wir haben unter anderen mitgeholfen, eine Schule oder einen Kindergarten aufzubauen. Wir haben einen Pastor unterstützt, der Dorfkinder betreut und auch Dorfkinder bei sich aufnimmt (...)

Autor: „Selig sind die Barmherzigen!“ sagt die Bibel. Man spürt das, wenn Clarissa Berke an ihr Projekt zurückdenkt. Nicht die viele Vorbereitung oder die anstrengende Arbeit vor Ort stehen dann im Vordergrund, sondern die Erfahrung, dass Barmherzigkeit Früchte getragen hat. Dass es lohnt, sich für andere einzusetzen. Erfahrbar zum Beispiel durch die Dankbarkeit, die sie erleben konnte bei den Kindern, für die sie sich engagiert hat:

O-Ton 4: Superschön, dieses Gefühl mal zu haben. Die Kinder, wie die einen angucken, die Augen, wie die lachen, wie begeistert die sind, wie die sich freuen und wie offen die zu einem sind. Und wie dankbar auch zum Teil. (...) Umarmen dich, fassen dich an, wollen auf deinen Schoß und lachen mit dir. Trotz Sprachmissverständnissen, versteht man sich untereinander sehr gut.

Autor: In den letzten Monaten ist in den deutschen Medien viel über die Frage diskutiert worden, ob die heutige Jugend nicht viel passiver und hoffnungsloser sei, als die vorangegangenen Generationen. „Traurige Streber“, die nur noch kaltherzig an sich und ihre Karriere denken. Die Geschichte von Clarissa Berke erzählt das Gegenteil. Uneigennützige Jugendliche, die sich für andere Menschen einsetzen. Nicht kaltherzig, sondern barmherzig. Und das ganz freiwillig, ohne das Gefühl, sich und seine Zeit für etwas opfern zu müssen:

O-Ton 5: „Opfer“? – überhaupt nicht. Das würde ich jederzeit wieder machen. Und ds habe ich super gerne gemacht. Und hat super Spaß gemacht. Von daher war das überhaupt kein Opfer.

Autor: Solche Erfahrungen verändern nicht nur die, denen geholfen wird. Sondern auch die Helfer. Denn es kommt etwas zurück. Barmherzigkeit macht nicht nur andere selig. Wer Barmherzigkeit übt, erlebt Glück.

O-Ton 6: „Also mir macht Helfen Freude, weil ich dann selbst mich freue. Also ich kann das schwer erklären. Aber wenn ich andere lachen sehe, und wenn ich sehe, wie glücklich sie sind, dann bin ich selbst glücklich (...).

Audiobeitrag Barmherzigkeit macht selig


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