Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.10.08, Pfarrer Reinhard Ellsel

Bitten, suchen, anklopfen

Christoph kommt von der Schule nach Hause und pfeffert seine Schultasche in die Ecke. Seine Mutter sieht sofort, was Sache ist:

Die Englisch-Arbeit war nur eine fünf - trotz des vielen Lernens. Außerdem haben die älteren Schüler Christoph im Bus auf der Heimfahrt geärgert. Während Christoph erzählt, deckt die Mutter den Tisch. Dann essen sie in Ruhe miteinander. Und Christoph darf noch raus zum Fußballspielen.

Nicht nur Christoph hat mal einen schlechten Tag. Auch bei uns läuft nicht immer alles glatt. Und dann ist es gut, wenn jemand da ist, der zuhört, der seinen Arm auf unsere Schulter legt und uns sagt: "So, jetzt vergiss doch mal den ganzen Mist und tu dir was Gutes." "Tu dir was Gutes!": So verstehe ich auch die Empfehlung, die Jesus uns gibt:

Sprecherin: "Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Wer ist unter euch Menschen, der seinem Sohn, wenn er ihn bittet um Brot, einen Stein biete? oder, wenn er ihn bittet um einen Fisch, eine Schlange biete? Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben geben könnt, wieviel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!"

Es ist so, als ob Jesus seinen Arm auf unsere Schultern legt und sagt: "So, jetzt komm doch mit deinen vielen Gedanken erst einmal zur Ruhe. Erzähl das alles deinem himmlischen Vater und befiehl ihm deine Sorgen an. Du wirst sehen, die Lage sieht dann bald schon viel besser aus. Gott sieht bestimmt einen guten Weg für dich; er weiß einen Rat; er kann dir helfen."

Beten befreit! Denn das Gebet ist ein Gespräch mit Gott. Im Gebet kann mein ganzes Leben zur Sprache kommen; mein ganzes Leben mit all meiner Freude und Dankbarkeit, mit all meinen Hoffnungen und Wünschen und mit all meinen Sorgen und Nöten.

Gerade in Stresszeiten ist das Gebet wohltuend. Martin Luther hat einmal gesagt:

Sprecherin: "Ich habe heute viel zu tun, darum muss ich heute viel beten."

Für uns alle ist die Erinnerung wichtig: Das Gespräch mit Gott ist keine vertane Zeit. Sondern weil es so viel zu tun gibt, deshalb tu dir was Gutes, bete! Beten und sinnvolles Tun hängen oft eng miteinander zusammen. "Ora et labora", lautet seit dem Mittelalter eine grundlegende Mönchsregel: "Bete und arbeite."

"Bittet, so wird euch gegeben. Suchet, so werdet ihr finden. Klopfet an, so wird euch aufgetan." Das heißt für mich zum Beispiel: Ich darf Gott um Gewissheit für mein Tun und Lassen bitten; um Gewissheit und Kraft für meinen Glauben und mein Leben. Bei Gott finde ich inneren Frieden für die Seele. Er schenkt mir die Gewissheit, dass ich sein Kind bin - heute und in Ewigkeit.

Audiobeitrag Bitten, suchen, anklopfen


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