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Die goldene Regel
Liebe Hörerinnen und Hörer! Prägnante Sätze, die manchmal ganze Bücher zusammenfassen und Lebensweisheiten auf den Punkt bringen: Daran habe ich Freude.
Denn solche erhellenden Sätze kann ich sozusagen "kauen", bis sie ihren Geschmack entfalten. Solche Sätze können in mir aufblühen und ich kann versuchen, sie für mein Leben oder meine Arbeit fruchtbar zu machen. Solche Sätze stehen in der Bergpredigt von Jesus (Mt 7,12):
Sprecherin: "Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten."
Das ist geradezu ein klassischer Spitzensatz der Ethik, der Lehre vom richtigen Handeln. Wer sich danach richtet, liegt mit seinem Tun und Lassen in allen Situationen einigermaßen richtig. Manche kennen diesen Satz auch unter der Bezeichnung "Die goldene Regel". Zu Beginn des dritten Jahrhunderts hat der römische Kaiser Alexander Severus diese Worte mit Goldbuchstaben an die Wand seines Zimmers geheftet. Er wollte sie immer vor Augen haben, damit sie sein Handeln bestimmten. Schon vor dem Christentum war die goldene Regel bekannt: sowohl in der jüdischen Weisheitsliteratur, als auch bei den alten Griechen. So ist sie auch in die Verkündigung von Jesus geraten; der hat sie allerdings mit einem wichtigen Nachsatz versehen:
Sprecherin: "Das ist das Gesetz und die Propheten."
Jesus unterstreicht damit: die weit verbreitete Regel stimmt mit dem überein, was auch in der langen Überlieferung des Volkes Israel erwartet wird. Der Deutsche Volksmund hat daraus ein Sprichwort gemacht:
Sprecherin: "Was du nicht willst, dass man dir tu`, das füg` auch keinem andern zu."
Die goldene Regel leuchtet ein. Die Atmosphäre unter uns Menschen wird besser, wenn wir andere so behandeln, wie wir selbst behandelt werden möchten; wenn wir an den Bedürfnissen unserer Mitmenschen nicht vorbeigehen; wenn wir einander helfen in der Familie, in der Gemeinde, am Arbeitsplatz. Und die goldene Regel ist politisch klug, denn sie verbessert das Verständnis und Miteinander von einzelnen Staaten und Volksgruppen. Die goldene Regel passt auch heute gut an die Wände von Rathäusern und Parlamentssälen, von Gemeindehäusern, Werkhallen und Wohnzimmern.
Wie gesagt, der römische Kaiser Severus hat diese weitverbreitete Lebensregel zur "goldenen Regel" gemacht. Sozusagen als Gedächtnisstütze ließ er sie sich in sein Amtszimmer hängen. Denn Kaiser Severus wusste, dass der Sinn dieser Worte sehr vernünftig ist. Trotzdem gelang es ihm aber noch lange nicht, diese gute Spielregel auch wirklich in allen Situationen in die Tat umzusetzen.
Und so ist es ja auch bei uns: Wir wissen zwar vom Kopf her, dass es eigentlich besser wäre, dem anderen mit Freundlichkeit den Wind aus den Segeln zu nehmen. Aber es ist leider die Folge unseres angeborenen menschlichen Naturells, dass wir aus einer kleinen Verstimmung leicht einen offenen Schlagabtausch machen. Wie in einem Teufelskreislauf können sich kleine Missverständnisse zu einem handfesten Machtkampf auswachsen. Kaiser Severus hat die goldene Regel in sein Amtszimmer geheftet, weil er sie sozusagen "trainieren" wollte. Da er die goldene Regel ständig als Erinnerung vor Augen hatte, konnte sie von der Wand immer mehr in sein Herz wandern. Auf den Wänden unseres Herzens hat die goldene Regel ihren richtigen Platz.
Sprecherin: "Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!"
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag.
Die goldene Regel
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