Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

25.10.08, Pfarrer Reinhard Ellsel

"Ein feste Burg ist unser Gott" (eg 362)

"Ein feste Burg ist unser Gott": Martin Luther hat dieses Lied gedichtet und auch die Melodie dazu geschrieben. Luther dichtet das Lied 1529.

In diesem Jahr bekommt er zum ersten Mal sein qualvolles, unheilbares Steinleiden zu spüren.  In seiner Heimatstadt Wittenberg wütet die Pest. Luther sorgt sich um das Leben seiner schwangeren Frau. Der Reformator ist nicht nur der starke Mann. Er ist kein unerschütterlicher Held. Auch ist er voller innerer Unruhe und fragt sich, ob sein Weg der richtige sei.

Choral: 1.) Ein feste Burg ist unser Gott,
ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not,
die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind
mit Ernst er`s jetzt meint;
groß Macht und viel List
sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen. 

Sprecher: "Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen. Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen." 

Autor: Luther malt uns eine Burg vor Augen: die Wartburg etwa, auf der er einst Zuflucht gefunden hatte. Hoch über der Ebene steht die Burg, fest gegründet auf einem Bergrücken, unbezwingbar. Der Turm gewährt Ausblick und Weitblick. Schutz bieten die mächtigen Mauern, Sicherheit für die Burgbewohner. Die Tore öffnen sich für Freunde; sie schließen sich für Feinde. Die Burgkapelle liegt in der Mitte, im Herzen der Burg. Auf den Burgherren ist Verlass; sein Land liegt ihm zu Füßen; er bürgt für seine Bürger; Burgfriede herrscht.

Luther hat erfahren: Wie solch eine befestigte Burg - so ist Gott für mich. Und für alle, die ihm vertrauen. Zu ihm kann ich mich flüchten, wenn ich nicht weiter kann. "Er hilft uns frei aus aller Not."

Von Menschen können wir das realistischer Weise nicht so sagen: "Er oder sie hilft uns frei aus aller Not" - weder von Politikern noch von Freunden, weder von Ärzten noch von Pastoren. 

Choralvorspiel 

Autor: Gott aber schützt mich, wenn ich schutzlos bin; er tröstet mich, wenn ich trostlos bin; er gibt mir Frieden, wenn ich friedlos bin. Mit seiner unerschütterlichen Liebe umgibt er mich.  Zu ihm kann ich fliehen wie zu einer Fluchtburg. In Psalm 46 heißt es:

Sprecher: "Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben." (Psalm 46,2)

Choral: 2.) Mit unsrer Macht ist nichts getan,
wir sind gar bald verloren;
es streit` für uns der rechte Mann,
den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist?
Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth,
und ist kein andrer Gott,
das Feld muß er behalten. 

Autor: "Mit unsrer Macht ist nichts getan" - Internet und Gentechnik scheinen, das Gegenteil möglich zu machen: Alles erscheint, machbar zu sein.Gleichzeitig erleben wir, dass die Unduldsamkeit unter uns immer mehr zunimmt. Immer mehr Menschen meinen: Es muss doch alles möglich sein - und zwar sofort. Immer "höher, schneller, weiter": Wo führt uns das hin? Wir ahnen, dass wir nicht alles machen dürfen, was wir machen können, wenn wir diese Welt und uns mit ihr nicht fertig- und kaputtmachen wollen.

"Wie kriege ich einen gnädigen Gott?": Das war die Frage, die die Reformation ausgelöst hat. So hat Martin Luther nach dem Sinn des Lebens gefragt. Darüber hat sich der Augustinermönch zermartert, aber er erlebte: "Mit meiner Macht ist nichts getan." Alle Himmelsleitern, die sich der Mönch durch viele gute Werke aus eigener Kraft bauen wollte, zerbrachen. 

Choralvorspiel 

Autor: Da endlich geht es ihm auf: Leben, wirkliches Leben, ist Gnade, ist ein Geschenk von Gott. Dem verzweifelten Mönch hatte sein Prior, Johann von Staupitz, gesagt: "Man muss den Mann ansehen, der da heißt Christus." Dieser Blick auf Jesus Christus hat Martin Luther befreit.

Wir spüren die erregende Entdeckung von Luther geradezu nachklingen in der Frage und Antwort:

Sprecher: "Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ."

Autor: Das ist die Grunderkenntnis der Reformation: "Allein Christus! Solus Christus!" Jesus Christus ist der Gott, der Mensch geworden ist. Damit wir menschlich leben können. Er ist der, der uns ansieht, so dass wir uns sehen lassen können - egal, wie es mit uns aussieht. Er hat alles für uns geleistet, so dass wir uns untereinander nicht mehr gnadenlos an dem zu messen brauchen, was wir leisten und uns leisten können. Er ist der, der uns mit Liebe an sich bindet, damit wir frei werden von anderen Bindungen. Jesus ist der, der uns in seiner Nachfolge ermöglicht, auch unbequeme Dinge auszusprechen, Ungewohntes zu denken und verbotene Fragen zu stellen.

"Fragst du, wer der ist?": Neulich wurde in einer Umfrage unter Kirchenmitgliedern nach der Bedeutung von Jesus gefragt. Nur etwa 30 Prozent gaben an, dass Jesus für sie der Sohn Gottes sei. Die überwiegende Mehrzahl der Befragten sieht in Jesus allenfalls einen vorbildlichen Menschen, an dem man sich ein Beispiel nehmen kann.

Martin Luther aber sieht tiefer: Von Jesus bezeugt er, dass er ist:  

Sprecher: "Der Herr Zebaoth und ist kein andrer Gott."

Autor: Jesus ist Gott selbst, er ist der Herr der himmlischen Heerscharen. Anders könnte er uns auch gar nicht das sein, was er für uns ist: Eine Burg, die uns Geborgenheit gibt. Jesus ist der Beistand in all den Herausforderungen, die wir zu bestehen haben; der Richter, der uns freispricht; der Herr, der uns sendet in seine Welt. 

Choral: 2.) Mit unsrer Macht ist nichts getan,
wir sind gar bald verloren;
es streit` für uns der rechte Mann,
den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist?
Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth,
und ist kein andrer Gott,
das Feld muß er behalten. 

Das war Kirche in WDR 3 mit Pfarrer Reinhard Ellsel aus Lübbecke über den Choral “ Ein feste Burg ist unser Gott“ Es sang der Studiochor des Evangeliums-Rundfunks unter der Leitung von Gerhard Schnitter.

 

Audiobeitrag "Ein feste Burg ist unser Gott" (eg 362)


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