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Lass es gut sein!
Schorlemmer: Was wird, wenn es Demokratie gibt und keiner geht hin. Keiner macht da mehr mit.
Autorin: sorgt sich nicht nur Friedrich Schorlemmer, evangelischer Theologe und Bürgerrechtler. Der überzeugte Pazifist gründete mit anderen kurz vor dem Fall der Mauer den "Demokratischen Aufbruch". Bis heute ist er eine Symbolfigur für die friedliche Revolution. Schorlemmer: Demokratie ist ein Mitmachprojekt. Auf Zeit sollte jeder auch mal sich in die Lage bringen, gewählt werden zu müssen. Um zu verstehen, wie es denen geht, die immer gewählt werden müssen.
Autorin: Friedrich Schorlemmer hat immer mitgemacht. Ost- und Westdeutsche einander näher zu bringen, ist nach wie vor eines seiner Hauptanliegen. Wie in seinem neuen Buch Lass es gut sei! Schorlemmer will zu einem glücklichen, sinnvollen und engagierten Leben ermutigen.
Schorlemmer: Man darf nicht vorausresignierend sagen: Du kannst sowieso nichts ändern. Du musst gucken, wo deine Kompetenzen, Kräfte sind, wo deine Grenzen sind. Und wo du Leute findest, die etwas mit dir zusammen tun. Man muss sich immer mehr vornehmen, als man erreichen kann. Aber man darf nicht daran resignieren, an dem was man nicht erreicht hat. Man muss sich manchmal mit wenigen begnügen. Und sich klar machen: Wenn ich nicht mitgemacht hätte: Dann wäre nicht einmal das Wenige zustande gekommen.
Autorin: Schorlemmer selbst war immer an der Schnittstelle von Politik und evangelischer Kirche aktiv. Ohne die Theologie politisieren zu wollen, besteht er darauf:. Christen müssen sich einmischen: Z.B. beim Dauerbrenner Massenarbeitslosigkeit.
Schorlemmer: Wie werden Menschen auf Dauer glücklich, erfüllt, auch wenig aggressiv leben können, wenn sie keine Arbeit mehr finden. Wie sehr ist unser Menschsein gebunden an eine Tätigkeit, die uns den Sinn beschafft, die uns unser Selbstbewusstsein schafft, die uns in Gemeinschaft einbindet, und die uns die Mittel zum Leben schafft, die wir brauchen, um zum Leben. Und uns nicht vorwerfen lassen müssen, dass wir alimentiert werden.
Autorin: Schorlemmer sieht in der Krise der Arbeitsgesellschaft eine Chance. Unser Verständnis von dem, was Arbeit bedeutet, muss ich ändern. In seinem Buch "Lass es gut sein" zieht er den Schluss: Der Mensch soll in sich reich sein. Sprecher: Schöpferisch und fröhlich zu sein bei seiner Tätigkeit und nicht erst nach seiner Arbeit oder etwa durch das Produkt seiner Arbeit oder den Gewinn von seiner Arbeit ist der eigentliche Sinn menschlichen Tätigseins.
(Zitat: Friedrich Schorlemmer, Berlin: Aufbau-Verlag 2007, Lass es gut sein. S. 40,) Schorlemmer: Ich finde, dass sich der Sinn des Lebens wesentlich durch die Sinne vermittelt. Und dass wir im Vollbesitz unserer Sinne, den Reichtum des Lebens genießen. Aber es auch genauso genießen, dass wir Freiheit haben, uns von den Sinnengenüssen fern zu halten. Also auch Karenzzeiten zu haben oder Fastenzeiten zu haben. Sich an der Blume im Sommer zu freuen und nicht darauf zu bestehen, dass es immer Blumen geben muss.
Autorin: Das Leben in seinen Rhythmen verstehen und auskosten. Die einfachen Dinge schätzen, in denen Schönheit sich entfaltet. So gelingt die Balance zwischen dem eigenen In-sich-ruhen und der Bereitschaft, sich für andere einzusetzen. Schorlemmer inspiriert in seinem Buch mit einer kleinen, poetischen Liste, die jeder schnell weiter schreiben kann:
Sprecher: Wieder anfangen, selber zu singen. In Flüssen schwimmen, oft und lange Rad fahren, viel barfuß laufen . Im Gebet zu letzter Wahrhaftigkeit und vertieftem Dasein finden ... Berge besteigen. Beeren pflücken. Anhalten. Luft holen. Sehen, was vor den Füßen liegt. Schauen in die weite Welt. Spüren: Ich bin da. Du bist da. Die Welt ist da. Noch bin ich da.
(Zitat: Friedrich Schorlemmer, Berlin 2007, Lass es gut sein. S. 240 )
Lass es gut sein!
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