| |
Hartz IV-Kultur
Ein durchschnittlicher Kinoabend in einer durchschnittlichen Stadt in Deutschland. Die Karte 9 Euro. Popcorn dazu: 3 Euro. Was getrunken: noch mal 3 Euro.
Schon hat man 15 Euro ausgegeben. Wer nicht ins Kino geht, sondern ins Theater oder in die Oper, wird auch schnell mal das Doppelte oder Dreifache los. Wohlgemerkt: pro Abend.
Nun haben zwei Wirtschaftswissenschaftler sich neulich mal Gedanken gemacht über den Hartz IV-Satz. Haben gerechnet, ob der denn wohl angemessen ist und ob man davon leben kann. Am Ende kamen die beiden zu dem Ergebnis: Eigentlich ist dieser Hartz IV-Satz noch zu hoch. Wenn man ein bisschen sparsam haushalte, müssten 132,- Euro eigentlich zum Leben reichen.
132,- Euro im Monat. Okay, in dieser Summe sind Miete und Energiekosten noch nicht drin. Es geht also wirklich um den reinen Lebensunterhalt. Sogar für Kultur haben die Wissenschaftler einen eigenen Posten vorgesehen: ein ganzer Euro steht dafür jeden Monat zur Verfügung zum Beispiel für Kino oder Theater oder ein Konzert.
Wenn ich mir diese Rechnung so anschaue, fange ich schon an, über Gerechtigkeit und Chancengleichheit nachzudenken. Ich meine, klar, der Staat kann nicht mehr ausgeben, als er einnimmt, die Wirtschaft muss wettbewerbsfähig bleiben und so. Seh ich ja alles ein. Aber ob arbeitslos oder krank oder was auch immer: Wie man mit 1,- Euro ins Kino gehen soll, verstehe ich trotzdem nicht.
Sprecher: Michael Birgden
Hartz IV-Kultur
|