Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

08.10.08, Mark Christian Pollmeier

GGG & LLL

Glückwünsche zum Geburtstag erreichen mich seit ein paar Jahren nur noch elektronisch. Wenn ich dann meine Mails abrufe, staune ich, wer mir alles irgendwelche animierten,

singenden Postkarten geschickt hat. Natürlich beginnt auch das Handy irgendwann zu brummen, wenn die ersten SMS eingehen. Manche davon sind richtig ausführlich, mit Foto oder sogar kleinen Filmchen. Bei anderen muss ich erst mal rausfinden, was sie eigentlich bedeuten.  

„GGG und LLL“ stand mal in einer. „Geld, Glück und Gesundheit“ sollte das heißen. Außerdem „Liebe, Lust und Leidenschaft“. Aha. Damit wäre dann wohl alles abgedeckt, was man so braucht im Leben... 

Eine Ausnahme in all dem Gesimse und Gemaile zum Geburtstag ist meine Tante aus Norddeutschland. Sie schreibt mir jedes Jahr eine echte Postkarte, die sie auch selbst beschriftet. Der Text ist allerdings eher kurz: Sie gratuliert mir zum Geburtstag und wünscht mir Gottes Segen. Das war’s. Kein GGG und LLL. Irgendwann hab ich bei der Tante mal ein bisschen rumgewitzelt über ihre knappen Geburtstagswünsche. Dass die anderen immer viel mehr schreiben und so. 

Darauf meinte sie halb beleidigt, der Segen Gottes würde völlig ausreichen im Leben. Denn da wäre ja alles Gute schon drin enthalten. Die anderen hätten das bloß noch nicht mitbekommen. Und seitdem weiß ich: Tantchens Karten sind zwar kurz, aber deswegen nicht weniger gehaltvoll.

Sprecher: Michael Birgden

Audiobeitrag GGG & LLL


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