Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.10.08, Pfarrer Gerd Höft

Das Gleichnis vom Sämann

Über manche Texte aus der Bibel, liebe Hörerinnen und Hörer, kann man ja ins Grübeln kommen. Soll man ja wahrscheinlich auch.

Besonders über die Gleichnisse, die uns da überliefert wurden. Sie werden erzählt, um einige Aspekte von Gottes Reich und seiner guten Botschaft anschaulich zu machen. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut. Über eines bin ich letztlich wieder gestolpert – über das Gleichnis vom Sämann. Drei von vier Evangelisten erzählen es. Immerhin. Von kleinen Varianten abgesehen geht es so:

Ein Bauer geht über sein frisch gepflügtes Feld und sät aus seinem Körnersack, sagen wir mal, Weizenkörner aus. Er tut das offenbar mit großem Elan. Leider trifft er nicht nur sein Feld. Körner fallen auch auf den Grenzweg. Der ist fest getrampelt und knochentrocken. Da warten auch schon die Vögel und was denen entgeht, hat auch keine Chance – die Fußgänger sorgen schon dafür. Sollte da wirklich was zum keimen kommen, wird es bald sein kümmerliches Dasein unter den Schuhsohlen aushauchen. Im Acker sind auch noch ein paar Felsbrocken liegen geblieben. Pech für die Körner, die darauf fallen. Da können sie sich noch so sehr mit dem keimen anstrengen - da wird nichts draus. So ohne Erde und Wasser. Keine Zukunftshoffnung für den Weizen. Dahinten ist einiges unter die Dornenhecke gefallen. Da gibt es zwar Erde und Wasser, aber kein Licht und keine Luft. Gut, am Anfang wird die Dynamik, die jedem Keimen innewohnt, einige Hoffnungen wecken. Aber mehr als kümmerliche Hälmchen werden da doch nicht dabei herauskommen. Irgendwann werden auch die eingehen. Hauptsache ist doch: das allermeiste fällt auf guten Boden und das tut es in unserem Gleichnis. Wenn dann die Erntezeit kommt, ist aus jedem einzelnen Korn ein Hundertfaches geworden.

So weit, so gut. Alles bestens. Und, sagen die Jünger und schauen Jesus interessiert an. Was willst du uns damit sagen? Und der: Wer Ohren hat zu hören, der höre. Na bravo: nicht gerade die Antwort, die die sich gewünscht haben; deshalb setzen sie noch einmal nach: Was bitte schön, hat das Gleichnis zu bedeuten?

Tja, liebe Hörerinnen und Hörer, was will uns Jesus damit sagen? Was hat das Gleichnis zu bedeuten? Uns. Heute. Nach einem garstigen Graben von über 2000 Jahren und mit einer Bilderwelt, die nicht mehr die unsere ist.

Ich will es in dieser Woche versuchen. Tag für Tag dem Schicksal der verschiedenen Körner nachgehen. Jesus selbst hilft der Begriffsstutzigkeit der Jünger auf und erklärt: Die Körner sind das Wort Gottes. Der Feldweg, das sind die Wegmenschen, die das Wort zwar hören; aber dann kommt der Teufel und nimmt es ihnen weg. Die Felsenmenschen, das sind die, die Gottes Wort zwar freudig annehmen, aber da ist nichts, wo es Wurzeln schlagen kann und die kleinste Krise lässt den Glauben verkümmern. Die Dornenmenschen, das sind die, die vor lauter Kummer und Sorgen die gute Botschaft Gottes unter eben diesen Sorgen und Kümmernissen ersticken.
Und dann gibt’s da noch die Fruchtbaren – für sich und die Welt ein Segen.

Das war’s an Erklärung. Auf den ersten Blick einleuchtend – aber auch auf den zweiten? Und da kommt man schon ins Grübeln. Gut, nicht alle Gleichnisse in der Bibel sind perfekt und logisch durchdacht; war halt auch Mensch, der Jesus, und ob die Überlieferung auch alles immer so richtig überliefert hat– auch da darf man hin und wieder Zweifel haben. Aber wir wollen nicht päpstlicher sein als der Papst –wenn ich das mal als Evangelischer so sagen darf und lassen ein paar Ungereimtheiten so stehen. Schauen wir uns doch lieber die Menschentypen einmal genauer an in der Hoffnung, dabei einiges an Erkenntnis zu gewinnen. Morgen also die Wegmenschen.

Audiobeitrag Das Gleichnis vom Sämann


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