Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

07.10.08, Pfarrer Gerd Höft

Wegmenschen

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer; der Tag ist für die meisten noch relativ jung und frisch und ich muss Ihnen zumuten,

sich schon einiges über Vergeblichkeiten anzuhören. Nicht gerade prickelnd – aber wie es sich für eine gute Andacht gehört wird auch diese dennoch hoffnungsfroh enden.

Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen und indem er säte fiel etliches auf den Weg. Da kamen die Vögel und fraßen es auf.  So beginnt das Gleichnis, das uns in dieser Woche beschäftigen wird. Jesus hat es erzählt und –weil er um die Begriffsstutzigkeit seiner Zuhörer weiß, schiebt er auch die Erklärung nach. Der Same ist das Wort Gottes, großzügig ausgestreut für alle. Aber: bei manchen sind die Vögel, sprich der Teufel, schneller als das keimen. Das Wort Gottes bleibt ohne Chance.

Wer sind diese Wegmenschen, bei denen das Wort keine Chance hat. Die irgendwie am Rande entlang laufen, fest getrampelt sind und dem Teufel einen guten Landeplatz für seinen Kahlfraß  bieten?

„Ich glaube nur, was ich sehe –nix für ungut Herr Pastor“. Was glauben Sie, wie oft ich diesen Satz gehört hab, als ich noch Gemeindepfarrer war. Damals hab ich viele Hausbesuche gemacht, besonders bei denen, die ich nicht kannte. Reingelassen in die Wohnung wurde ich meistens. Und dann nach einem gewissen Fremdeln kam irgendwann der Satz: Nix für ungut Herr Pastor –aber ich glaube nur was ich sehe. Freundlich gesagt, ehrlich gemeint und dennoch gelogen.

Du lieber Himmel: an was glauben wir nicht alles: an die Liebe, die Hoffnung, die Gerechtigkeit, den Sozialismus (vielleicht im Augenblick weniger), an die Demokratie, an die Selbstheilkräfte des Marktes, an die Freundschaft, an die Wirkung eines Medikamentes, an die Macht der Sterne, die Heilkraft der Steine, an die Karten, an das Pendel.

Nix für ungut Herr Pastor, sammeln Sie ihr Wort Gottes wieder ein; daran kann ich nicht glauben; ich glaube nur an das, was ich sehe. Und außerdem hab ich bereits eine Meinung; und zwar zu allem. Da will auch nicht dran rütteln lassen. Ich weiß, was ich weiß. So sind sie, die Wegmenschen. Starr in Ihren Ansichten; festgelegt in Ihren Urteilen; unabänderlich Ihre Haltung wie fest getrampelt und festgeklopft. Das quirlige, lebendige Leben mit seinen Änderungen, Windungen und Aufbrüchen findet ohne sie statt. Unempfänglich für neues, unempfindlich. Sie wissen eben schon alles und alles besser. Sie machen alles richtig und haben immer Recht. Da gibt es nichts, was sie noch bewegen könnte, anregen könnte. Fruchtbares Leben, wo immer wieder aufs Neue gesät und geerntet wird – Nein danke!

Armes Wort Gottes, das auf Veränderung zielt und immer wieder Neues schaffen will. Keine Chance. An den Wegmenschen prallst du ab –leichte Beute für den Teufel, der dich nur noch aufpicken muss.  Und dennoch unermüdlich wirft Gott ihnen sein Leben bringendes Wort zu. Vielleicht dass da doch mal ein kleines Körnchen den kleinen Riss im Festgetrampelten findet; seine Wurzeln hineinlässt und so der sachte Beginn für ein Aufbrechen und Lebendigwerden wird. Vielleicht; nicht auszuschließen immerhin; denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Hoffnung für die Wegmenschen? Ja doch. Nicht einfach aber mit Gottes Hilfe, wer weiß. Und dann: machen es die andern denn vielleicht besser. Wie steht’s denn mit den Felsenmenschen? Mit denen von denen das Gleichnis erzählt, dass sie Gottes Wort annehmen und trotzdem nicht richtiges dabei rauskommt? Die schauen wir uns morgen an.

Audiobeitrag Wegmenschen


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