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Dornenmenschen
Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen; so beginnt in der Bibel das Gleichnis, das uns jetzt schon einige Tage beschäftigt. Gott wirft sein Wort aus unter uns Menschen.
Und da trifft es halt auf unterschiedliche Typen, weil halt Menschen auch unterschiedlich sind. Da haben wir am Dienstag von den Wegmenschen gehört; gestern von den Felsenmenschen und heute trifft es die Dornenmenschen.
Von denen sagt das Gleichnis folgendes: bei denen geht das Wort Gottes auf wie Weizenkörner, die auf guten Boden fallen; aber leider, mit ihnen wachsen Dornen und anderes Unkraut auf. Dagegen können sich die Ähren nicht behaupten und sie verkümmern und ersticken, weil ihnen das, was mit aufwächst, schließlich Licht und Luft nimmt. Und weil wir uns ja auch einmal so begriffsstutzig anstellen dürfen wie die Jünger damals, denen Jesus das Gleichnis erzählt hatte, fragen auch wir: Wie soll ich das verstehen?
Jesu Antwort: die Dornenmenschen, dass sind die, bei denen das Wort Gottes auf guten Boden fällt. Die Bedingungen sind also hervorragend. Da keimt es auch prächtig und wächst zügig heran. Aber mit wachsen die Alltagssorgen; und die werden mit der Zeit übermächtig. Sie überwuchern den hoffnungsvollen Anfang, bis nichts mehr da ist, was Reife und Frucht versprechen kann. Tja, die Dornenmenschen: das sind die Besorgten; so wie die Wegmenschen die Prinzipientreuen und die Felsenmenschen die Leidenschaftlichen sind.
Die Dornenmenschen packen mit großer Energie etwas an, aber fast gleichzeitig machen sie sich schon Sorgen darüber, ob das wohl gut gehen wird. Sie wollen aus ihren Begabungen und guten Anlagen etwas machen und denken schon gleichzeitig daran, ob sie das wohl auch schaffen können oder ob sie sich damit nicht doch überfordern. Sie leben und denken in Ja-Aber-Strukturen: Ja ich will dies und das - aber ob ich das wirklich kann? Ja ich bin der und der aber vielleicht sollte ich doch noch mal drüber nachdenken. Und das Aber wird mit der Zeit immer mächtiger und größer und irgendwann bleibt dann nur das Aber übrig. Und das heißt dann: ich kann nichts, ich bin nichts, ich bring es zu nichts.
Traurig. Für alle. Für die Dornenmenschen selber, weil sie nie zu ihrer eigentlichen Stärke und Größe finde, traurig für die Mitmenschen, die so nie von der eigentlichen Stärke und Größe der Dornenmenschen profitieren können und auch traurig für Gott, der sehen muss, wie Menschen, die von ihm mit vielen guten Gaben ausgestattet sind, an ihren eigen Selbstzweifeln zugrunde gehen. Keiner von uns geht unbehelligt durchs Leben. Sorgen, Kümmernisse, Nöte werden uns begleiten. Und ist es uns mal gelungen, eine Sorge mit Stumpf und Stiel auszureißen, wird bald eine neue nachwachsen. So ist das halt und es trifft alle. Aber die Dornenmenschen lassen sich irgendwann von ihren Sorgen überwuchern; sie trauen nicht mehr auf ihre eigene Stärke, sie glauben nicht mehr daran, dass sie die Widrigkeiten klein halten können, so klein, dass sie das Leben eben nicht nachhaltig beeinträchtigen können.
Dornenmenschen sind Sorgenmenschen. Irgendwann ersticken sie unter ihrem Kummerleben. Gott möchte es aber gerade umgekehrt haben. Er stattet uns aus mit Gaben und Fähigkeiten; damit wir gerade dadurch die täglichen Sorgen und Kümmernisse im Griff behalten können; damit wir den Alltag mit all seinen Problemen und Krisen bewältigen können und wir nicht von ihm überwältigt werden. Dornenmenschen sind stark. Sie sind stark genug, ihr Leben gut zu meistern. Sie sind stark genug, größer und kräftiger zu werden als die größte Not, die sie treffen kann. Sie können über alles hinauswachsen. O ja, die Dornenmenschen wurzeln im guten Boden; alles ist da, das sie brauchen. Gebe Gott, dass sie ihre Stärke, ihr Selbstvertrauen daraus ziehen.
Dornenmenschen
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