Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.10.08, Pfarrer Gerd Höft

Die Fruchtbaren

Jetzt ist es aber mal genug. Seit Tagen erzähle ich Ihnen von Menschen und ihren typischen Schwächen. Gut, der Respekt gebietet es vor Jesus,

der mit dem Gleichnis vom Sämann seinen Hörern und Hörerinnen erklärt, warum es das Wort Gottes in der Welt –nein besser: unter den Menschen so schwer hat. Bliebe es dabei, hätte so ein Gleichnis allerdings keine große Wirkung. Es hilft halt nicht viel, wenn mir immer nur die Defizite um die Ohren gehauen werden. Also: Wo, bitte, bleibt das Positive? Das kommt jetzt. Jesus erzählt von den die Fruchtbaren.

Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen und etliches fiel auf guten Boden. Da ging der Same auf, die Ähren wuchsen prächtig und unbehelligt und brachten bis zu 100fache Frucht.

Groß erklärt werden muss das nicht. Es gibt sie halt, diese Menschen, bei denen Gottes Wort auf fruchtbaren  Boden fällt; die ihr Leben nach Gottes Verheißungen ausrichten; die für sich selbst und ihre Umwelt schlichtweg ein Segen sind. Ohne sie wäre die Welt kälter, hilfloser, unerträglicher. Sie halten Glaube, Liebe, Hoffnung hoch. Das Böse perlt an ihnen ab, wie Fett in der Teflonpfanne; Versuchungen kennen sie nur vom Hörensagen. Ihr Lebensweg kennt keine festgetrampelten Pfade wie der der Wegmenschen, sie sind nicht wie die  Felsenmenschen, die ihre Leidenschaften ins Trudeln bringen und fliegt sie doch einmal eine Sorge an so wie es bei den Dornenmenschen Brauch ist, so wird selbst daraus bei ihnen ein Erfolgserlebnis. Kurzum: und Sie haben es längst gemerkt: auf der ersten Blick mag ich diese Fruchtbaren nicht. Sie tun nichts Besonderes, haben mit nichts zu kämpfen, alles fällt ihnen in den Schoß. Unter solchen Bedingungen ist es leicht, fruchtbar zu sein.

Aber halt, bevor mich bei der Betrachtung der Fruchtbaren der Neid auffrisst, will ich mich selber noch einmal an das Problem von Lehrerzählung erinnern: sie sind nicht immer bis ins letzte logisch. Wenn Jesus von diesen Menschen spricht, die für seine Botschaft sind wie ein guten Boden für die Weizenkörner, dann meint er nicht die Teflontypen, die für nichts etwas können und an denen alles abperlt und deren Glück so unverschämt ist wie ein Sechser mit Zusatzzahl.

Nein, nein Jesus hat da andere im Blick: es sind die, die aus ihren Begabungen etwas machen, die sie fördern und pflegen und sich einsetzen und mühen; damit sie vielen, sehr vielen anderen helfen können. Das, was sie können bringen sie zur Reife, damit andere etwas davon haben. Die Prinzipientreuen ermutigen sie, beweglicher und weniger starr und festgelegt zu sein; den Leidenschaftlichen zeigen sie, wie sie mit ihrer Leidenschaft so umgehen können, dass sie bis ans Ziel reicht und die, die sich immerzu sorgen und selbst bezweifeln, denen machen sie Mut, an ihre eigene Stärke zu glauben. Wir, die wir in unserem Leben eine Menge Defizite mit uns herumschleppen, wir brauchen sie, die aus einer guten Veranlagung hundert bessere Sachen machen können; die eine Sache anpacken und hunderte profitieren davon Ein solches Menschenverbesserungsprogramm ist nicht leicht.

Das braucht viel überschüssige Kraft, braucht den hundertfachen Überschuss; weil sie dauernd investieren – in andere. Weil sie sich nicht darum scheren, ob sie gleich beim ersten Anlauf Erfolg haben. Ihnen ist es zu verdanken, dass das Wort Gottes immer in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Sie stehen dafür gerade, dass seine Verheißungen nicht aus der Welt kommen; vielmehr, dass sie zur Welt kommen und irgendwann einmal in der Welt an ihr Ziel.

Audiobeitrag Die Fruchtbaren


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