Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.10.08, Pfarrer Gerd Höft

Der Sämann

Effizienz –so habe ich in einem Lexikon gelesen- ist das Verhältnis von Nutzen zum Aufwand. Toll, wieder was gelernt.

Anders gesagt: Wenn ich mit dem geringsten Aufwand den größtmöglichen Nutzen erziele, habe ich die höchste Effizienzstufe erreicht. Auch gut. Was hilft mir das bei Gleichnis vom Sämann, das Sie am Ende der Woche wahrscheinlich schon auswendig herunterbeten können? Sie wissen schon: es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und um diesen Sämann geht’s mir heute. Der Sämann ist Gott, so das Gleichnis. Und Gott scheint nichts von Effizienz zu verstehen, obwohl er die Natur ja nach diesem Prinzip eingerichtet hat. Denn wenn Gott effizient arbeiten würde, hätte er doch garantiert eine Möglichkeit dafür zu sorgen, dass sein Wort nur und ausschließlich auf guten Boden fällt. Dass nicht so unverhältnismäßig viel davon verschließen wird bei den Wegmenschen, den Felsenmenschen, den Dornenmenschen. Und warum hat er überhaupt so viele Menschentypen in seiner Schöpfung zugelassen? Das hätte er doch alles viel einfacher haben können und wir Menschen dann auch; dann wären wir halt alle Guter Boden, also fruchtbar und müssten uns nicht mit unseren Defiziten herumplagen. Gut, ich verstehe vieles nicht, was Gott tut oder lässt und ich könnte mich damit beruhigen und sagen: Verstehst du halt nicht, wird aber alles seinen Sinn haben. Wie ich dann aber so an diesem Gleichnis herumgerätselt habe, ist mir noch eine andere Idee gekommen. Und ich muss sagen: ich finde die gut.

Wie wäre es, wenn es gar nicht so um einzelne Menschentypen geht, sondern wenn wir immer alle zugleich sind? Also ungefähr so: wir sind der ganze Acker. Wir sind guter Boden, aber mit festen Wegen, Felsen und Dornen. Mehr noch, so das Gleichnis: wir sind überwiegend solche, die fruchtbar sind für andere –kurzum ein Segen für die Welt; wir haben Gaben und Fähigkeiten genug und wir können am großen Programm der Menschheitsverbesserung mitmachen. Aber wir haben auch Anteile in uns, die uns starr und unbeweglich machen, die uns zu Prinzipienreitern machen; wir sind halt auch Wegmenschen. Und manchmal reißt uns auch unsere Leidenschaft hin; da machen wir unsere eigenen guten Ansätze zunichte; wir sind halt auch Felsenmenschen; und manchmal lassen wir es zu, dass wir in unseren Sorgen versacken wie die Dornenmenschen.

Wir sind halt immer alles: prinzipiell bis zur Sturheit; leidenschaftlich bis zur Selbstaufgabe; sorgenschwer bis zur Depression. Ja, das alles sind wir –dann und wann und immer mal wieder. Das ist aber auch nicht schlimm, wenn wir bei alledem nicht vergessen: Im Großen und Ganzen und vielmehr als alles andere sind wir Guter Boden, sind wir zum Fruchtbringen berufen und vorgesehen, sind wir füreinander und die Welt ein Segen.

So gesehen handelt der Sämann, also Gott doch sehr effizient und genau richtig. Sein Wort ist nicht verschwendet. Es trifft zielgerichtet und passgenau jeden einzelnen von uns und in uns trifft es auch auf die Problemzonen, die jeder und jede von uns hat. Es versucht, unsere Prinzipienstarre zu lockern, versucht unserer Leidenschaft etwas Dauer zu geben und hilft uns, schneller zu wachsen als unsere Sorgen. Das gelingt auch, weil wir alles in allem guter Boden sind, weil wir alle in der Lage sind, hundertfache Frucht zu bringen. Wir sind deshalb dazu in der Lage, weil wir von Gott dazu reichlich ausgestattet wurden. Wir müssen nur dafür sorgen, dass unsere Weg-, Felsen- und Dornenanteile nicht unseren guten Boden ruinieren, dass sie nicht die Herrschaft über uns gewinnen. Wir werden sie nicht ganz und komplett vermeiden können, aber wir können sie in ihre Schranken weisen. Und dann tun, wozu wir berufen sind: zum Segen für die Welt. 

Audiobeitrag Der Sämann


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