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In Gottes Namen fang ich an (eg 494)
In Gottes Namen fang ich an, was mir zu tun gebühret; mit Gott wird alles wohlgetan und glücklich ausgeführet.
Was man in Gottes Namen tut, ist allenthalben recht und gut und kann uns auch gedeihen.
Autor: Ich war 7, als ich diese Strophe zum ersten Mal sang. Singen musste. Ich ging in die erste Klasse, hinter uns lag ein Jahr Rechnen, Schreiben, Lesen, vor uns die Sommerferien. Und die Aufgabe, nach den Ferien als dann schon Größere die kommenden I-Dötzchen mit einem Ständchen zu begrüßen. Die Schule war eine evangelische und unser Frollein vom alten Schlag. Wochenlang probten wir dieses Lied: In Gottes Namen fang ich an
Was das mit mir zu tun haben sollte, mit der Schule und den erwarteten Mitschülern, habe ich nicht verstanden. Und doch kann ich mich an das heimliche Frohlocken erinnern, mit dem ich die letzten Zeilen von Strophe eins gesungen habe.
Als entdeckungsfreudige Erstklässler hatten wir damals mit einer Fülle von Ge- und Verboten zu kämpfen, die uns manchmal erst dann schmerzhaft bewusst wurden, wenn es die obligatorische Strafarbeit gehagelt hatte. Das bremste unseren Tatendrang empfindlich. Und nun das: Was man in Gottes Namen tut, ist allenthalben recht und gut
Es gab also in Bezug auf das, was man durfte und nicht durfte noch etwas anderes, als die ständigen Verbote, eine Generalerlaubnis sozusagen, zu tun, was man für nötig hielt, für sinnvoll oder für schön wenn man es nur in Gottes Namen tat.
Choral:
Was man in Gottes Namen tut, ist allenthalben recht und gut und kann uns auch gedeihen.
Autor: Vielleicht habe ich als Kind von diesem Lied doch mehr verstanden, als mir zunächst bewusst war. Den Tatendrang seiner Mitmenschen freizusetzen war genau das Anliegen, das der Verfasser ursprünglich im Sinn gehabt hatte. Als Samuel Liscow das Lied schrieb, war er um die 30 Jahre alt, Pfarrer in dem kleinen Dorf Otterwisch bei Grimma und immer noch voller Tatendrang. Er wird gesehen haben, wie schwer es den Bauern seiner Gemeinde fiel, ganz einfach die Arbeit wieder auf zu nehmen. Denn sie waren in einem alles zerstörenden Krieg aufgewachsen und hatten lernen müssen: Wer heute sein Saatgut ausstreut, dem wird morgen das Feld angezündet. Wer heute ein Haus baut, dem legt es morgen die nächste Soldateska in Schutt und Asche. Und sie hatten gelernt, dass man mit seinem Tun und Lassen furchtbar viel falsch machen kann. Denn der christliche Glaube war erstarrt in einem System aus religiösen Ge- und Verboten, die ein Mensch alle zu beherzigen hatte, wollte er seines Seelenheils nicht verlustig gehen. Was konnte, was durfte man tun? War es nicht besser, die Hand gar nicht erst an den Pflug zu legen, weil jede Tat unweigerlich Folgen nach sich zog, die niemand absehen konnte?
Aus dieser Erstarrung versucht Samuel Liscow seine Gemeinde zu lösen. In Gottes Namen fang ich an das mag den Menschen damals Blockaden und Selbstzweifel genommen haben. Und die Angst vor der Zukunft. Samuel Liscow stellt das Gelingen in Aussicht, das Gedeihen, den Lohn und die Fülle.
Sprecher: Gott ist's, der das Vermögen schafft, was Gutes zu vollbringen; er gibt uns Segen, Mut und Kraft und lässt das Werk gelingen; ist er mit uns und sein Gedeihn, so muss der Zug gesegnet sein, dass wir die Fülle haben.
Autor: Auch unsere Zeit kennt eine Reihe von Geboten und Verboten. Hier und da werden einige zu Bekenntnisfragen erhoben, von denen man den Eindruck hat, sie könnten über unser Seelenheil entscheiden. Etwa die nach Plastiktüte oder Jutetasche in den 80er Jahren. Oder die nach dem Klimaschutz in den letzten Jahren. Hinter all dem steckt die Frage: Darf ich so weitermachen wie bisher? Welche Form des Wirtschaftens und des Zusammenlebens unterstütze ich? Gibt es einen Lebenszusammenhang, in dem ich mich nicht automatisch schuldig mache? Oder ist es das Beste, mich dem bestehenden System so weit wie möglich zu verweigern? Für Samuel Liscow ist es das Reich Gottes, in das sich jeder einzelne mit seiner Hände Werk einbringen soll. Wer das im Sinn hat, wer auf dem Weg Gottes bleibt, der kann mit seinem Tun und Lassen nichts verkehrt machen.
Choral: Wer erst nach Gottes Reiche tracht' und bleibt auf seinen Wegen, der wird von ihm gar reich gemacht durch seinen milden Segen. Da wird der Fromme froh und satt, dass er von seiner Arbeit hat auch Armen Brot zu geben.
Autor: Macht es sich der Verfasser da nicht etwas zu einfach? Wenn ich von etwas überzeugt bin, soll ich es tun, ich muss es nur mit dem festen Vorsatz tun, dadurch am Reich Gottes mitzuwirken. Reicht der gute Wille, das reine Gewissen? In Gottes Namen - sind zahlreiche Kriege geführt worden! Es werden nicht alle, die zu mir sagen, Herr, Herr in das Himmelreich kommen, sondern die, die den Willen meines Vaters tun! Diesen Vers aus dem Matthäusevangelium kannte Samuel Liscow. Auch ihm war klar: wer sich unter den Namen Gottes stellt, muss sich auch unter seine Gebote stellen. So führt er, der die Menschen seiner Zeit zum unbeschwerten Tun befreien will, unmerklich, beinahe verschämt und in der vorletzten Strophe doch wieder eine Kontrollinstanz ein: Es ist die Freude, die Lust an der Arbeit vor allem aber der Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes.
Sprecherin: Regiere mich durch deinen Geist, den Müßiggang zu meiden, dass das, was du mich schaffen heißt, gescheh mit lauter Freuden; auch, dass ich dir mit aller Treu auf dein Gebot gehorsam sei und meinen Nächsten liebe.
Autor: Samuel Liscow geht es um die christliche Freiheit. Damit hat er vor über drei Jahrhunderten die Weichen für Grundwerte gestellt, die uns heute selbstverständlich sind. Eigeninitiative und freie Entfaltung der Persönlichkeit gelten als die Triebfedern unserer Gesellschaft. Wir sind eher auf der Suche nach dem Korrektiv. Managergehälter, Billigflüge um den halben Erdball, Getreideanbau zur Bio-Spritgewinnung nicht alle Möglichkeiten, die sich uns bieten, dürfen wir auch ausschöpfen. Wir müssen das Maß finden, mit dem wir uns selbst begrenzen. Und wir suchen nach einem übergeordneten Sinnzusammenhang, um dessentwillen es sich lohnt, Verzicht zu üben. Halten Ausschau nach dem, der wahrnimmt und anerkennt, wie sehr wir uns mühen und uns freiwillig einschränken. Ich bescheide mich um Gottes Willen und um der Menschen willen, die Gott liebt diese Antwort wiederum war Samuel Liscow vertraut und selbstverständlich. Sie sollte es auch heute wieder werden.
Gemeinsam haben wir mit dem Liederdichter und seiner Gemeinde, dass wir einen Weg finden müssen zwischen christlicher Freiheit auf der einen Seite, und dem Gehorsam gegenüber dem, was Gott uns an Grenzen und Begrenzungen auferlegt auf der anderen. Dass wir diese Balance finden und am Ende versöhnt auf unseren Weg zurückblicken können, darum bittet die letzte Strophe.
Choral: Nun, Jesu, komm und bleib bei mir, die Werke meiner Hände befehl ich, liebster Heiland, dir; hilf, dass ich sie vollende zu deines Namens Herrlichkeit, und gib, dass ich zur Abendzeit erwünschten Lohn empfange.
Das war Kirche in WDR 3 mit Pfarrer Ulrich Haag aus Aachen über den Choral In Gottes Namen fang ich an Es sang die Kantorei der Christuskirche aus Herford unter der Leitung von Wilhelm Ehmann.
In Gottes Namen fang ich an (eg 494)
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