Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

22.09.08, Pastor Stephan Kiepe-Fahrenholz

Heimchen am Herd

„Junge Männer lieben das Heimchen“, titelte kürzlich eine große deutsche Zeitung und stellte unter dieser Überschrift fest: Das Familienbild junger Männer

in Deutschland ist konservativ bis auf die Knochen. Nur jeder dritte 16- bis 29-Jährige ist der Meinung, dass Frauen selbstbewusst ihre eigenen Interessen verfolgen und durchsetzen müssen. Der Rest erwartet, dass die Partnerin sich vorwiegend für die Familie aufopfert. 9 von 10 der befragten Männer sind davon überzeugt, dass die Hilfe, die sie selbst im Haushalt leisten, völlig ausreicht, während ein Drittel der befragten Frauen wegen einseitiger Verteilung der häuslichen Pflichten ernsthafte Beziehungskrisen erlebt hat.

Herausgefunden hat das Ganze das Allensbacher Institut für Demoskopie. Die Präsidentin des Deutschen Hausfrauenbundes nennt dieses Ergebnis „unvorstellbar“ und weist darauf hin, dass sich ihre Organisation „seit Jahren für eine partnerschaftliche Haushaltsführung ein-setzt“. Das ist sicher richtig. Daraus aber den Schluss zu ziehen, das Umfrageergebnis sprenge die Vorstellungskraft, ist schon etwas merkwürdig. Logisch viel näher liegt doch die Folge-rung, der lobenswerte Einsatz des Hausfrauenbundes und verwandter Organisationen habe vielleicht sein Ziel nicht erreicht.

Gewiss, mit Umfrageergebnissen soll man vorsichtig sein, weil man nie genau weiß, was und wie eigentlich gefragt worden ist. Diese Umfrage allerdings fand statt im Auftrag einer bekannten Staubsaugerfirma, die ihre Produkte per Haustürverkauf an den Mann oder eben nicht an diesen, sondern an die Frau bringt. Solche Leute legen in der Regel Wert auf genaue Erkenntnisse über Kundenprofile, und so wird die Umfrage, zumal sie bereits zum vierten Mal stattfand, schon nicht ganz falsch liegen.

Nun bin ich kein Meinungsforscher. Trotzdem habe ich eine Theorie, was hier los sein könnte: Die befragten jungen Männer sind ja wohl durchweg solche, die als Heranwachsende von der Mutter nicht so viel gehabt haben wie frühere Jungs-Generationen: Mama hatte Verpflichtungen und Interessen auch außerhalb des Haushalts, Mama ging arbeiten. Das Problem daran war natürlich nicht Mama, sondern Papa, der nicht etwa die Lücke füllte, sondern munter weiter seiner Wege ging, bis schließlich Mama wie Papa nur noch getrennte Wege gingen, wie die jährlich steil steigende Scheidungsrate lehrt. Und das erklären Sie jetzt mal einem jungen Menschen, der sich für sein frisch gegründetes oder noch zu gründendes Heim weniger Zoff und mehr Geborgenheit wünscht.

Gott schuf den Menschen nicht als Pascha und Heimchen, sondern als Mann und Frau. So viel dürfte noch bekannt sein. Und Gott, so die Fortsetzung, sprach: Seid fruchtbar und mehret euch. Ich glaube, dass uns das vor allem daran erinnert, dass Männer und Frauen jeweils für sich und gemeinsam gleichermaßen Verantwortung für ihre Beziehung wie für die nachwachsende Generation tragen. Sollte uns dieses Bewusstsein vielleicht ziemlich abhanden gekommen sein? Wenn ja, wäre das sicher auch eine Ursache für niederschmetternde Umfrageergebnisse.

Audiobeitrag Heimchen am Herd


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