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Keiner ist unpolitisch
Erinnern Sie sich noch an China? Ja, richtig, an China, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das erst vor ein paar Wochen täglich 24 Stunden lang in aller Munde
vor allem auf allen Sendern war. Jetzt laufen sie wieder, jetzt kämpfen sie wieder, so hieß es im August auch an diesem Sendeplatz. Und jetzt?
Ziemlich ruhig ist es geworden um China, seit vor fünf Wochen die olympische Flamme erloschen ist. Aber ich kann Ihnen sagen: Jetzt zensieren sie wieder, jetzt verfolgen sie wieder, jetzt sperren sie wieder ein. Im größten Polizeistaat der Erde ist es so, als wäre Olympia nie gewesen. Das ist für viele nicht überraschend. Aber ein kleiner Rückblick, nicht der euphorische am Tag der Abschlussfeier, sondern der mit ein paar Wochen Distanz, ruft doch in Erinnerung, dass was ganz anderes versprochen worden war.
Die Olympiade werde China für die Welt öffnen, werde für Liberalisierung und menschliche Erleichterungen sorgen. Das haben uns das Internationale Olympische Komitee und der Deutsche Olympische Sportbund vor Beginn der Spiele unablässig erzählt. Das war eine politische Botschaft: die internationale Sportgemeinschaft, deren grenzüberschreitender und völkerverbindender Charakter auch auf eine straff geführte Diktatur so was wie eine unwiderstehliche Sogwirkung ausübt. Die Realität ist: China hat Olympia 2008 so geschickt ausgenutzt wie das Diktaturen nun mal können. Und die ausgetricksten Sportfunktionäre hatten am Ende nichts anderes zu bieten als unkritische Jubelarien, garniert mit dem Hinweis, dass der Sport natürlich unpolitisch sei.
Damit sind wir bei den Lehren, die daraus zu ziehen sind. Denn diese Art von unpolitisch sein ist natürlich eminent politisch. Wenn Menschenrechte und Informationsfreiheit plötzlich nur noch Nebensache sein sollen, ist das selbstverständlich politisch. Und wer aus der berechtigten Sorge, nicht politisch vereinnahmt werden zu wollen, für sich einen angeblich unpolitischen Standpunkt reklamiert, ist der erste, der vereinnahmt wird.
Im Brief an die Römer ermahnt der Apostel Paulus: Gebt eure Leiber hin als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. - Das ist der Hinweis darauf, dass der Dienst an Gott nicht in abgeschlossenen Zirkeln, sondern im Alltag der Welt zu Hause ist. Christen sind deshalb in der Regel nicht so großmäulig wie Sportfunktionäre, aber auch nicht so naiv. Es ist klar, dass wir nicht überall und zu jeder Frage die Weisheit mit Löffeln gegessen haben. Aber aus dem, was die Bibel Gottes Willen nennt, ergeben sich ebenso klar Werte und Überzeugungen, die nicht einfach nach Belieben zur Disposition gestellt werden können.
Das und die sich daran knüpfenden Auseinandersetzungen um die Wahrheit konsequent im-mer wieder zur Sprache zu bringen, ist eine politische Aufgabe, um die Christinnen und Christen nicht herumkommen. Ohne diese Konsequenz ändert sich nichts seis in China oder anderswo, seis mit Olympia oder ohne.
Keiner ist unpolitisch
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