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Weiter Raum
Manchmal muss ich das Weite suchen! Wenn mir alles zu eng wird, wenn ich zuviel Arbeit habe, alles auf mich einstürmt und über mir zusammenschlägt.
Dann muss ich das Weite suchen. Raus! Ein paar Schritte durch die Felder, oder durch den Wald vor der Haustür bis auf eine kleine Anhöhe, wo man übers Land gucken kann. Ich weiß, andere verkriechen sich dann lieber, ziehen sich zurück, machen alles um sich zu. Ich bin einer, der die Weite braucht. Raus, zur Ruhe kommen, wieder klar sehen, ganz weit gucken. Das tut gut.
Am besten geht das irgendwo an einem Strand. Von meinem Zuhause aus sind es zweieinhalb Stunden bis an die Nordsee. An die Küste, wo der Sand endlos scheint, wo der Wind die Wolken treibt, das Meer rauscht und die Wellen ans Ufer brechen. Da kann ich meinen Blick weit schweifen lassen. Für diesen Moment habe ich das Gefühl, unendlich viel Platz zu haben für mich. Du stellst meine Füße auf weiten Raum nie sind mir diese Worte näher als in diesem Moment, mit nackten Füßen im Sand.
So fühle ich mich in Gottes Schöpfung hineingestellt. Und weil Wind und Wellen immer wieder alle Spuren verwischen, habe ich manchmal das Gefühl, Neuland unberührtes Land zu betreten. Wenn ich meine Fußspuren im Sand betrachte bin ich ganz bei mir. Dann fallen mir die anderen Spuren auf: da gibt es andere, vor mir, neben mir, um mich herum. Ich sehe kleine und große Fußabdrücke, weite oder enge Schritte. Da sind zwei miteinander gegangen, eng beieinander. Dort hat einer den Strand abgesucht, ist hin und her gelaufen. Jeder hat seinen eigenen Weg, sein eigenes Tempo gewählt, gerade so, wie es richtig war. Füße, die Gott auf weiten Raum gestellt hat.
Manchmal, mit Freunden, mit der Familie haben wir versucht, ein Stück in der Spur des anderen zu gehen. Aber das geht gar nicht so leicht, nur ein kleines Stück und man verliert die Balance und gerät ins Stolpern. Niemand kann wirklich in die Fußstapfen eines anderen treten. Ist vielleicht gut zu wissen: Wir können höchstens miteinander, nebeneinander gehen, aber eben jeder in seiner eigenen Spur.
Gott, Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Damit ich gehen kann. Manchmal ist das Leben eng, manchmal weit offen.
Gelegentlich suchen Menschen den weiten Raum und den beschützten Raum zugleich. Wenn etwa ein Kind geboren ist und getauft werden soll. Wenn ein Paar sich Liebe verspricht und heiratet. Immer wenn Menschen an einer großen Schwelle des Lebens stehen und um Gottes Segen bitten für das Neuland, das sie nun betreten. Dann suchen Menschen den Raum ihrer Kirche auf. Dann spüren sie das ganz besonders: Wir gehen Schritte in ein Leben, das offen vor uns liegt. Dann möchten sie um Gottes Segen bitten für dieses offene, weite, unsichere Leben.
Heute liegt erst mal ein neuer Tag vor uns. Nur eine kleine Schwelle. Und vielleicht doch: weiter Raum.
Weiter Raum
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