Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

25.09.08, Silke John

Warum bist du hier?

„Warum gehst du den Jakobsweg?“ Das ist so eine der ersten Fragen, die einem Mitpilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela stellen: „Warum bist du hier?“

Da gibt es natürlich einige Katholiken. Den Jakobsweg zu pilgern, ist schließlich eine katholische Tradition. Wie die Männergruppe der katholischen Gemeinde aus Bamberg, die ich auf dem Weg getroffen habe: Der jüngste ist Mitte Dreißig, der älteste Mitte Sechzig und sie pilgern einfach für ihr Leben gerne.

Aber die meisten meiner Mitpilger sind alle mögliche: Protestanten, Anglikaner, ja sogar eine Buddhistin habe ich getroffen! Viele gehören auch gar keiner Kirche an oder sie sind zwar getauft, haben aber keinen Bezug zu ihrer Kirche und sind sich nicht sicher, was sie glauben sollen?

Gerade die Frage nach dem eigenen Leben beschäftigt viele: Wie die Studentin der Architektur aus Karlsruhe: Soll sie weiter studieren? Lieber erst einmal ein Jahr aussetzen und nach Australien gehen? Oder gleich was anderes machen? Oder Heidi, vierzig Jahre alt aus Dortmund; sie lebt dort mit ihrem Mann und ihren Kindern, arbeitet als Krankenschwester. Aber, so sagt sie: „Irgend etwas muss sich ändern in meinem Leben.“

Das  zeichnet die meisten Pilger aus: Sie sind auf der Suche. Auf der Suche nach sich, nach dem Sinn ihres Lebens, nach Gott. Während des langen Weges – immerhin ca. 800 km - hat man eine Menge Zeit  nachzudenken. Und vielleicht hat man am Ende die Antwort gefunden auf die Frage: „Warum bist du hier?“

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Warum bist du hier?


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