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Zu schön zum Beten?
Eine Kirche ist verkauft worden, von nun an wird dort ein Restaurant seine Pforten öffnen und zahlungswillige Gäste bewirten.
Die werden sich nicht nur den Gaumenfreuden hingeben sondern darüber hinaus ihren Blick schweifen lassen können über Fresken und Glasfenster, über kunstvoll gestaltete Innengewölbe, wertvolle Heiligenbilder, goldverbrämte Kreuze
Wunderbar schwärmte der Manager dieses Handels, ein gelungener Transfer. So eine wertvolle Immobilie, die wäre doch viel zu schön gewesen zum Beten. Natürlich könnte man ihm recht geben, was braucht der Beter solch einen prunkvollen Raum um mit Gott zu reden? War nicht auch Jesus in einfachen Mauern zu Hause? Und wenn ich im apulischen Lecce im Inneren des Domes zur Ruhe kommen will, dann muss ich die Augen schließen, weil die Pracht des italienischen Barocks hier so außergewöhnlich reich gestaltet wurde, dass einem schwindlig werden könnte Dennoch ist mir dieser Satz, - zu schön zum Beten- wie ein Dorn im Auge oder ein schmerzhafter Stachel im Ohr. Es klingt als ob der Mann hatte sagen wollen, die Kirche wäre in all ihrer Pracht viel zu schade um in ihr nur eine solch vergebliche Mühe wie das Beten durchzuführen.
Ich dachte an die Menschen, die jene Kirche planten und bauten, die Gelder die gesammelt wurden, wo sich manch einer mit einer größeren Summe beteiligt hatte, als Dank vielleicht für eine Gebetserhörung . Ich dachte an die Künstler, die sich auf Leitern gestellt hatten, um in Deckenhöhe solche prachtvollen Bilder entstehen zu lassen, um Fenster zu gestalten, die plötzlich und unerwartet ein sonnengespeistes Kaleidoskop entstehen lassen, das einem den Atem raubt, das einen still werden lässt und dankbar. Die größten Kunstwerke sind im Laufe der Jahrhunderte zum Lobe Gottes entstanden, und wenn vielleicht auch der eine oder andere Künstler in seinem Herzen mehr nach weltlichem Erfolg schielte als nach dem himmlischen Gloria, zu allen Zeiten haben die Menschen sich in Kirchen gesetzt und im Antlitz der Schönheit einen Zipfel des himmlischen Glanzes zu sehen geglaubt.
Darüberhinaus gibt es auch ausserhalb der Kirchen viel Schönheit zu bestaunen: der Wald mit seinem satten Grün und den Sonnenstrahlen zwischen den Zweigen, ein Feldweg , wo im Frühjahr der blühende Überfluß in allen Farben zu bestaunen ist, oder das Meer wenn der Himmel sich am Horizont mit dem Wasser vermischt und diese Weite eine Ahnung vermittelt von Ewigkeit. Ist nicht diese wunderbare Welt ein Zeichen dass Gott auch das Schöne liebt? Wie kann man da meinen, etwas wäre zu schön zum Beten?
Wohin treiben wir hin in unserer Welt, wenn wir dem christlichen Glauben nur noch ein Hinterhofdasein zubilligen wollen, wenn das Beten unterm Deckel der Armut und Not seine Zuflucht suchen soll und wenn wir die Religion, das größte, welches der Mensch in seinem Leben hat, so wie es der preussische König bezeichnete als endlich Napoleons Vernunftreligion begraben war, wenn wir den Glauben an Gott unseren Vater im Himmel in die dunklen Nischen verbannen wollen, damit die Schönheit nicht damit belästigt werde. Ich hoffe sehr, dieser Satz wird nicht zur Gewohnheit werden in unserer Welt, ich wünsche mir weiterhin unter erhabenen Kuppeln und leuchtenden Fenstern meine Gebet an Gott richten zu dürfen, innerhalb seiner ihm geweihten Kirchen und Kathedralen.
Zu schön zum Beten?
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