Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

13.09.08, Pfarrer Frank Küchler

Großer Gott, wir loben dich (eg 331)

Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke. Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke. Wie du warst vor aller Zeit,so bleibst du in Ewigkeit.

Autor: Großer Gott, wir loben dich. Eine Art Schlager unter den Kirchenliedern. Das Lied wird als feierlicher Lobgesang in den Gottesdiensten aller christlichen Konfessionen gesungen. Es ist aus den Gesangbüchern gar nicht mehr wegzudenken.Gedichtet hat es der schlesische Priester Ignaz Franz. 1768 hat er es in einer Liedersammlung veröffentlicht. Etwa fünfzig Jahre später wurde das Lied dann auch in der evangelischen Kirche gesungen.

Aber es gab hier zunächst Vorbehalte. Das Lied wurde eher abschätzig als „Geistliches Volkslied“ eingestuft. Gut möglich, dass die Vorbehalte gegen dieses Lied auch mit der Gefahr einer nationalistischen Vereinnahmung zu tun hatten. Schnell kann aus dem Gottesvolk das Staatsvolk oder die Volksgemeinschaft werden. Schnell wird aus dem Himmlischen Heer der Kriegsheere ein Befehlshaber irdisch-militärischen Schlachten. Seinen Siegeszug in den protestantischen Gesangbüchern trat der Choral erst im 20. Jahrhundert an. Allerdings wurde er oft erheblich gekürzt. Auch der Text wurde verändert.

Einen traurigen Höhepunkt des politischen Missbrauchs erfuhr das Lied im Gesangbuch der „Deutschen Christen“ von 1941. In Militärgesangbüchern hatte das Lied ohnehin schon seit längerem eine besondere Rolle gespielt. Im Evangelischen Feldgesangbuch aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurde es dann sogar mit dem nationalsozialistischen Bekenntnis zu Führer, Volk und Reich verbunden. Und das hört sich so an:

Sprecher: Alle Lande, Herr sind dein,
dein o Gott sind alle Meere.
Dir soll drum befohlen sein,
unser Leben, unsre Ehre;
strecke segnend deine Hand
über unser Vaterland.

Dort, wo unsre Fahnen weh’n,
sei’s zu Lande, sei’s zu Meere,
lass die Treue Schildwach steh’n.
Sei uns selber Waff’n und Wehre!
Losungswort sei allzu gleich:
Treu zu Führer, Volk und Reich.

Autor: Damit hatte es sich freilich sehr weit von dem entfernt, was sich sein Dichter Ignaz Franz gedacht hatte. Denn hier steht nicht mehr Gott und sein Werk im Mittelpunkt, sondern der Mensch und sein Werk. Besser gesagt: seine kriegerischen Aktivitäten. Gott ist hier nur der Garant dafür, dass das nationalistische und feindselige, kriegerische Treiben der Menschen gelingen möge. Gott ist Vehikel für menschliche Interessen.

Kein Wunder, dass in der Fassung des Feldgesangbuches denn auch die Strophen fehlen, die auf Jesus Christus, den Friedensstifter, hinweisen. Vorsicht also! Denn immer da, wo sich der christliche Glaube von Jesus Christus löst, wird Gott zur Chiffre. Wird Gott leicht schmückendes Beiwerk. Oder einer, den man sich für seine kriegerischen Zwecke auf die Fahne schreiben kann. Wo Jesus Christus fehlt, wird aus dem Skandal des Kreuzestodes ein weichgespülter Glaube an Gott. An dem braucht dann auch keiner mehr Anstoß zu nehmen. Deshalb ist es wichtig, dass die Strophen, die Jesus Christus die Ehre geben wollen, heute morgen einmal nicht wegfallen!

Sprecher: Dich, Gott Vater auf dem Thron, loben Große, loben Kleine.
Deinem eingebornen Sohn singt die heilige Gemeinde,
und sie ehrt den Heil’gen Geist. Der uns seinen Trost erweist.

Du, des Vaters ew’ger Sohn, hast die Menschheit angenommen,
bist vom hohen Himmelsthron zu uns auf die Welt gekommen,
hast uns Gottes Gnad gebracht,
von der Sünde uns frei gemacht.

Durch dich steht die Himmelstür allen, welche glauben, offen;
Du stellst uns den Vater vor, wenn wir kindlich auf dich hoffen.
Du wirst kommen zum Gericht, wenn der letzte Tag anbricht.

Choral – Orgelbearbeitung

Autor: Nationalistische Tendenzen gibt es auch heute in unserem Land. Nicht nur in den neuen Bundesländern. Das ist bedrückend. Was kann man dagegen tun? Was kann ich dagegen tun? Ich sehe mit Sorge den braunen Sumpf in unserem Land, in dem schon mancher Jugendlicher bis zum Bauch eingesackt ist und nur schwer wieder herauskommt. Nun: es gibt ja schon ein Netzwerk gegen rechts. Jeder, der etwas tun will, kann sich hier anregen lassen.

Und was ist der Beitrag der Kirche? Ich rechne damit, dass es in vielen Gemeinden schon jede Menge guter Ideen und Initiativen gibt. Schließlich gibt es doch in vielen Gemeinden eine gute Jugendarbeit, die solche Gefährdungen klar benennt und Alternativen aufzeigt. Dank Aller, die dieses kirchliche Arbeitsfeld über viele Jahre treu durch ihre Kirchensteuern unterstützen.

Als Pastor bin ich freilich in besonderer Weise für die Verkündigung verantwortlich - deshalb fange ich bei mir selbst an. Ich sage mir: ich will darauf Acht geben, dass meine Verkündigung Gott nicht zur Chiffre verkommen lässt. Sie soll vielmehr den Geist des dreieinigen Gottes atmen. Will sagen: wer Gott für uns ist, das sehen wir Christen zuerst an Jesus Christus. Denn er ist…

Sprecherin: ... das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“

Autor: So die 1. These in der Erklärung der Bekenntnissynode von Barmen Ende Mai 1934. Wenn wir von Gott sprechen, dann können wir also nicht auf Jesus Christus verzichten. Gleichzeitig ist es natürlich wichtig, dass wir bei den Menschen sind, die sich vom Leben benachteiligt und gebeutelt fühlen. Denn nicht selten verbinden sich Nationalismus und Fremdenhass mit der eigenen Bitterkeit und mit Resignation angesichts von Misserfolgen und Ungerechtigkeiten auf dem eigenen Lebensweg.

Ich singe die letzte Strophe von „Großer Gott wir loben dich“ daher in dem Bewusstsein, dass wir auf das Erbarmen des Dreieinigen Gottes angewiesen bleiben. Dass sich Gottes Treue auch dort zeigen möge, wo wir gemeinsam gegen gefährliche nationalistische Tendenzen in unserem Land angehen und unsere Verantwortung als Kirche hier wahrnehmen. Dazu wollen wir mit der letzten Strophe Gottes Segen erbitten.

Choral: Herr, erbarm’, erbarme dich.
Lass uns deine Güte schauen;
deine Treue zeige sich
wie wir fest auf dich vertrauen.
Auf dich hoffen wir allein,
lass uns nicht verloren sein.

Das war Kirche in WDR 3 mit Pfarrer  Frank Küchler aus Krefeld über den Choral “ Großer Gott, wir loben dich“. Es sang das Solistenensemble unter der Leitung von Gerhard Schnitter.

Audiobeitrag Großer Gott, wir loben dich (eg 331)


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen