Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.09.08, Christiane Birgden

Abi-Treffen

Vor ein paar Tagen trudelt eine E-Mail bei mir rein: Einladung zum 10-Jährigen Abi-Treffen. Mein erster Gedanke: Was zieh ich an?

Witzig, denn eigentlich bin ich inzwischen eine gestandene Frau, habe eine abgeschlossene Berufsausbildung und stehe tagtäglich meine Frau im Beruf. Doch plötzlich ist sie wieder da, die Unsicherheit.

Die Einladung zum Abi-Treffen lässt mein Leben einfrieren zu einer Momentaufnahme, die ich von außen betrachte: Was hab ich gemacht aus meinem Leben, aus meinen Begabungen und Chancen? Zugegeben: Das Leben war oft etwas komplizierter, als ich mir das zum Ende der Schule vorgestellt habe. Und dennoch frage ich mich kritisch: Wozu bin ich vor 10 Jahren angetreten – und was ist daraus geworden?

Weil ich damit rechne, dass die anderen mich unwillkürlich mit der konfrontieren, die ich vor 10 Jahren war.

Felix will deshalb gar nicht kommen. Er sucht zur Zeit  einen neuen Job und hat keinen Bock, allen zu erzählen, dass er zur Zeit  nichts hat. Katja will bis zum Treffen noch 5 Kilo abnehmen und endlich die Promotion abschließen.

Warum müssen wir einander immer etwas vormachen? Warum müssen wir immer so tun, als sei unser Leben ein steiler Weg nach oben? Warum können wir einander nicht erzählen, dass es uns zwischendurch auch mal richtig dreckig ging und wir z.Zt. auch nicht wissen, ob wir das Richtige tun.

Das wär’ interessant. Viel interessanter als lauter zusammengelogene Erfolgsgeschichten. Vielleicht fange ich damit einfach mal an!

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Abi-Treffen


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