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Gott droht nicht mit dem Stinkefinger
Manchmal geht mir der Rhythmus eines Liedes in die Finger. Ich schnippe unbewusst mit mit Mittelfinger und Daumen. Und manchmal schnippe ich auch ganz gezielt
denn unsere Hündin gehorcht auf`s Schnippen! Einmal schnippen heißt: Sitz! Zweimal: Platz! Das Schnippen lässt sie mitten in der Bewegung innehalten. Sie weiß, jetzt ist es besser, ihren Plan - zum Beispiel dem Hasen nachzujagen - aufzugeben. Es stimmt: Ich schnippe mit dem Finger und schon passiert was. Auf der Straße hat mir einer den Stinkefinger gezeigt. Ich gebe zu: Nicht gerade zügig bin ich im Auto gefahren, etwas in Gedanken vielleicht die Geste des ausgestreckten Mittelfingers fand ich trotzdem unangemessen und ärgerlich. Sie sollte mich einschüchtern. Ich soll mich dann im Unrecht fühlen, der andere beleidigt mich, droht mir. Mehr noch als die geballte Faust hat der Stinkefinger etwas Obszönes, Kränkendes. Mit diesem kräftigsten Finger stellt einer seine Macht zur Schau, auch seine Gewaltbereitschaft. Und ich empfinde spontan: Dem gehört was auf die Finger geklopft. Besonders auf diesen einen. Und merke plötzlich: gewaltbereit bin ja auch ich. Drohgebärden sind alltäglich. Im Straßenverkehr, auf Schulhöfen und leider auch in vielen Familien. Gewaltbereitschaft schlägt um in Gewalt. Auch im Großen. Gestern auf dem Balkan, heute in Afghanistan, im Irak oder dem Sudan. Dabei weiß jedes Kind: Gewalt und Krieg sind unvernünftig und dumm. Friede ist vernünftig. Die Vernunft aber hat selten die Oberhand. Zu mächtig ist der Mechanismus von Gewalt und Gegengewalt. Zu verführerisch das Bewusstsein, auf der richtigen Seite zu stehen. Zu einfach die Vorstellung, nur dieses eine Mal noch zuzuschlagen, um endlich das Böse mit Stumpf und Stiel auszurotten. Zu profitabel der Handel mit Waffen.
Sprecher: Das Wollen liegt in meiner Hand, das Vollbringen des Rechten und Guten aber nicht. Denn nicht das Gute, das ich will, tue ich, sondern das Böse, das ich nicht will, das treibe ich voran.
So bringt der Apostel Paulus das grundlegende menschliche Dilemma auf den Punkt. Woran liegt das? Die Bibel sagt: Der Mensch will selber Gott sein. Und wird dabei zum Stinkefinger. Diese rücksichtslose Selbstbezogenheit zerstört und verbraucht Leben. Auch mit Gottes Strafe ist oft gedroht worden. Sie kennen das vielleicht aus eigenen Kindertagen: Wenn das der liebe Gott sieht! Gott musste herhalten, um die Kleinen zu braven Mädchen und Jungen zu machen. In Jesus Christus ist Gott ein anderer: Er droht nicht weder mit dem Zeige- noch mit dem Stinkefinger sondern er wirbt. Seine Feindesliebe durchkreuzt die Logik der Gewalt in dieser Welt. Denn Feindesliebe verneint die Feindschaft. Sie versetzt sich in die Lage der Andersdenkenden. Sie achtet und berücksichtigt auch deren berechtigte Ansprüche und Interessen. In der Feindesliebe kann es kein Freund-Feind- oder Gut-Böse-Denken geben. Christus wirbt um ein Verhalten, das Kindern und Erwachsenen dient, das mir wohltut und anderen. Er wirbt, indem er vor Augen führt, welche Folgen mein Verhalten hat. Er demonstriert nicht seine Macht, sondern sein Liebe. Den verlorenen Sohn empfängt er mit offenen Armen, den Stinkefinger Zachäus lädt er zum Essen ein, denen, die Unrecht leiden, hilft er heraus.
Gott droht nicht mit dem Stinkefinger
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