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Egotismus
Es ist die Zeit der Superlative.Alles soll immer noch schneller, noch höher, noch weiter gehen.Ich finde das an für sich gar nicht so schlecht. Es gibt mir ein gutes
wenn ich vorwärts komme; wenn mir etwas gelingt, das ich bisher nicht konnte; kurzum: wenn ich erfolgreich bin. Wie gesagt: an für sich
Denn gleichzeitig kann auch der Druck entstehen, mithalten zu müssen. Oder noch schlimmer: die Angst, nicht mithalten zu können. Daher gibt es immer mehr Menschen, die man Egotisten nennt. Gemeint ist damit die übertriebene Neigung, sich selbst in den Vordergrund zu stellen. Schaut her, ich bin der Star. Ihr könnt mein Gesicht im Fernsehen sehen, meine Stimme im Radio hören, meinen Namen bei Google lesen. Mein Haus, mein Auto, mein Boot
ich bin die Größte und Beste!
Aber genau die bin ich eben nicht! In Wirklichkeit bin ich die, die Angst hat, ausgelacht zu werden. Die, die drei Kilo zu viel auf den Hüften hat. Die mit dem langweiligen Job und mit dem Gefühl, so schrecklich allein zu sein.
Egotisten, das sind in Wirklichkeit Feiglinge, die vor ihrem Spiegelbild weglaufen. Die anderen etwas vormachen, um Anerkennung einzufahren. Die meinen, ein Second Life könnte helfen, mitzuhalten.
Mich macht es traurig, wenn ich Egotisten begegne. Weil sie niemals einen Menschen finden, für den sie wirklich wichtig sind. Weil sie niemals bedingungslos dafür geliebt werden, was sie sind. Ganz normale Angsthasen mit Übergewicht, einem langweiligen Job und dem Gefühl, dass Solidarität viel, viel wichtiger ist als der große Jubel anderer.
Sprecherin: Christiane Birgden
Egotismus
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