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Ganz anders
Bin ich eigentlich wirklich ich? Komische Frage. Natürlich bin ich ich. Wer soll ich denn sonst sein? Ich weiß doch schließlich, wer ich bin, was ich will und wohin ich
gehöre. Oder doch nicht? Jedenfalls nicht immer und überall?
Musik: Ich sag´: Eigentlich bin ich ganz anders. Ich komm nur viel zu selten dazu. Du machst hier grad mit einm Bekanntschaft, den ich genau so wenig kenne wie du.
Autor: Was Udo Lindenberg und Jan Delay da singen, stimmt. Jedenfalls manchmal. Manchmal kenne ich mich selbst nicht oder besser: lerne mich von einer Seite kennen, von der ich gar nicht so genau wusste, dass sie auch zu mir gehört. Da sind Kolleginnen und Kollegen, die von meinen Stärken und meinen Schwächen ein anderes Bild haben als ich selbst. Oder meine Kinder, die, je erwachsener sie werden, an mir Eigenschaften kritisieren., die ich für besonders wertvoll halte, und mir umgekehrt ihre Wertschätzung dort zu erkennen geben, wo ich es am allerwenigsten vermutet hätte. Da denke ich tatsächlich: Bin ich wirklich so? Oder bin ich eigentlich ganz anders?
Musik: Ich bin gar nicht der Typ, den jeder in mir sieht, und das wird ich euch beizeiten auch alles noch beweisen.
Autor: Dass das Bild, das andere von mir haben, ein heilsamer Spiegel ist, der mir Anteile meines eigentlichen Ichs zeigt, ist nur die halbe Wahrheit. Manchmal ist es auch bloß ein Zerrbild, das mir überhaupt nicht gerecht wird. Wo ich für Eigenschaften und Charakterzüge geschätzt werde, die ganz nützlich sind für andere, und wo es mit der Schätzung schnell vorbei ist, wenn meine Ecken und Kanten zum Vorschein kommen. Wieso gelte ich, bloß weil man mich für einen Intellektuellen hält, automatisch als emotionslos? Wieso soll ich herrschsüchtig sein, bloß weil ich mich ganz gut durchsetzen kann?
Musik: Zum Schluss, da hätt ich noch ne Frage: Wieso packt ihr alles, was ich sage, immer auf die Goldwaage das find ich voll schade.
Autor: Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an. Dieser Satz steht in der Bibel. Und gerade weil es mit der Selbstwahrnehmung und der Fremdwahrnehmung manchmal so ein kompliziertes Ding ist, finde ich diesen Satz enorm entlastend. Ich muss nicht das endgültige und letzte Wort über mich sprechen. Und andere auch nicht. Da ist ein Gegenüber, das mich, meinen Wert und mein Wesen immer nochmal in ein ganz neues und ganz anderes Licht stellt. Und deshalb kann ich sehr wohl ich sein. Aber eben auch ganz anders.
Musik: Eigentlich bin ich ganz anders. _________________________________________________________________________ Musik: Udo Lindenberg (feat. Jan Delay), Ganz anders; aus: Stark wie Zwei, Track 3, © 2008 Starwatch Music, LC-Nr. 14216
Ganz anders
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