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Die Schalke-Bibel
Musik: Blau und weiß, wie lieb ich dich / Blau und weiß, verlass mich nicht /Obwohl ich in Duisburg wohne, juble und leide ich schon ein Leben lang mit Schalke 04.
Das liegt einem so im Blut. Und obwohl ich Theologe bin und eine Menge Kritisches über Massenwahn und so genannte Ersatzreligionen sagen könnte, vergesse ich das auf der Stelle, sobald ich meinen Schalke-Schal in die Hände nehme und in der Arena zusammen mit sechzigtausend anderen das Schalke-Lied anstimme.
Außer Schalke-Schal und Schalke-Lied gibt es, wie bei jedem besseren Verein, natürlich längst Tassen, Schlüsselanhänger, Bettwäsche und so weiter. Die neueste Errungenschaft meines Vereins, pünktlich zum Start der neuen Saison, ist die Schalke-Bibel. Tatsächlich, die Bibel. In einer modernen Textübersetzung und vorne drauf das Schalke-Emblem.
Nun höre ich ja schon die ersten Kritiker, die von einer Vereinnahmung des Gotteswortes durch die kommerziellen Interessen eines Fußballkonzerns reden. Andererseits gibts schon ewig die Chagall-Bibel, mit dem Schriftzug des Künstlers auf dem Einband. Gewiss, ich will den großen Maler Marc Chagell nicht mit dem großen Fußballclub vergleichen. Aber geht es nicht vielleicht doch in beiden Fällen darum, dass der Künstler wie der Verein jeweils ihre besondere Verbundenheit zur Bibel ausdrücken wollen?
Auf Schalke gibt es diese Verbundenheit jedenfalls. Dass die Arena neben vielem anderem auch über eine Kapelle verfügt, hat seinerzeit bei der Erbauung für ein gewisses Aufsehen gesorgt. Weniger bekannt ist, dass es in der Mannschaft einen Bibelkreis gibt, der sich regelmäßig trifft. Das liegt natürlich vor allem an den brasilianischen Spielern wie Bordon und Rafinha, die aus ihrer Heimat eine tief verwurzelte Glaubensprägung mitbringen. So bietet die neue Schalke-Bibel neben dem Alten und dem Neuen Testament recht persönliche Beiträge einzelner Spieler. Selbst Präsident Schnusenberg stellt sich ein: "Manchmal ist Gott in der Freude über einen Sieg zu entdecken, manchmal finde ich ihn im Trost nach einer Niederlage", schreibt er.
Das ist sicher keine sensationelle Erkenntnis. Und das ganze hat natürlich auch mit Kommerz zu tun. Aber trotzdem - die Bibel spielt im Selbstverständnis eines der erfolgreichsten deutschen Fußballclubs eine Rolle, die ganz gewiss mehr ist als bloß ein Werbegag. Und weil sie das bei mir auch tut, kann ich nochmal so überzeugt Schalker sein. Jaja, ich weiß schon, was Sie jetzt fragen wollen: Ob ich denn genau so reden würde, wenn Borussia Dortnund auf die Idee gekommen wäre. Also ehrlich: Was die Schwarz-Gelben tun oder lassen, ist mir eigentlich egal. Aber wenn sie eine Borussen-Bibel herausgäben und Präsident und Spieler dazu sogar noch persönliche Worte beisteuern würden dann wäre ich dafür.
Musik: CD Jetzt geht´s wieder los, Track 11 Blau und weiß, wie lieb ich dich, LC 5362, Schallarchiv 5584243001
Die Schalke-Bibel
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