Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.08.08, Pfarrer Jönk Schnitzius

Glück

Manchmal ganz leicht, manchmal unvorstellbar: Glücklich sein. Manche träumen ein Leben lang davon. Andere geben früh auf. Glücklich sein.

Für nicht Wenige, ein Zustand, den es entweder nur im Fernsehen oder bei Anderen gibt. Glücklich sein. Klar: das bedeutet für jeden und jede etwas anderes. Allerdings scheint die  ausgewogene Balance das eigene Leben frei gestalten zu können und einer relativen ökonomischen Sicherheit so etwas wie ein Glücksfaktor zu sein, stellt der amerikanische Politologe Ronald Inglehart fest. Er untersuchte in einer weltweit vergleichenden Studie, für wie glücklich Menschen in unterschiedlichen Ländern ihr Leben halten.

Das Ergebnis:  Die Welt wird offensichtlich immer glücklicher. Immer mehr Menschen werden - man mag es kaum glauben – immer zufriedener. Die Hitliste der Glücklichsten  - nach Ingelhart – wird angeführt von den Dänen, gefolgt von den Schweizern und Isländern. Im letzten Drittel: die Deutschen. Immer unzufriedener werden wir demnach und das, obwohl es uns eigentlich blendend gehen müsste: wir genießen eine sehr lange Friedensperiode und ein hohes Wohlstandsniveau: mit anderen Worten: so gut ging es uns noch nie. Dennoch liegt Westdeutschland auf der Weltrangliste von 97 Staaten gerade mal auf Platz 35 – zwischen Malaysia und Vietnam. Ostdeutschland belegt die 49.Stelle. Tendenz: weiter fallend.

Warum das so ist, dazu gibt es verschiedenen Erklärungen. Oder ist das einfach zuviel verlangt? Glücklich sein zu wollen.

Ich meine: nein. An dem Anspruch glücklich zu sein, kann es nicht liegen. Denn: Was soll daran verkehrt sein? Es sei denn, glücklich sein bedeutet allein: kaufen können. Sicherlich: wirtschaftliche Sicherheit, die über das Allernotwendigste hinaus geht ist wichtig. Aber sie allein macht eben noch nicht glücklich. Also: was soll an dem Anspruch glücklich sein zu wollen verkehrt sein? Nichts, es sei denn glücklich sein, bedeutet für mich so etwas wie Abwesenheit von Schmerz und Abwesenheit von Verzicht. Der Konsum verspricht: ich mach dich glücklich. Und lässt sich sein kurzes Glück teuer bezahlen.

Also: Alles nicht so einfach mit dem Glücklichsein? Für die Fragen nach dem persönlichen Glück, gibt es keine Patentantworten. Ich kann nur sagen: mir hilft darauf zu achten, worauf ich achte. Zum Beispiel: auf das, was ich habe oder auf das, was ich nicht habe. Oder: darauf, wie ich bin mit meinen Stärken und Eigenheiten oder nur darauf, was ich nicht bin. Auf Dauer und im richtigen Leben gibt es das Eine nicht ohne das Andere: Das Glück nicht ohne den Schmerz. Den Reichtum nicht ohne den Verzicht. Das Leben nicht ohne den Tod.

Mir hilft darauf zu achten, worauf ich achte. Als Christ will ich darauf vertrauen, was Paulus schreibt: Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Zur Freiheit mich entscheiden zu können: auch worauf ich achte.

 

Audiobeitrag Glück


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