Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.08.08, Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

Christen in China

Autorin: Nirgendwo verbreitet sich der christliche Glaube so rasant wie in China, wachsen die christlichen Kirchen so schnell.

Mittlerweile leben in China schätzungsweise 30 bis 60 Millionen Christen. Keiner weiß es so genau. Denn neben der offiziell anerkannten Kirche, dem protestantischen Christenrat, gibt es die  illegalen Hausgemeinden, die Millionen von Christen zählen. Stimmt es, daß Christen in China verfolgt werden? Ein Vorwurf, der in diesen Tagen immer wieder zu hören war.

O-Ton: Die Situation ist unglaublich komplex,  aber grundsätzlich kann man sagen, es gibt in China keine organisierte Christenverfolgung und die gibt es auch schon lange nicht mehr.

Autorin: sagt Pastorin Claudia Währisch –Oplau, die zwölf Jahre in China gelebt und gearbeitet hat, zuletzt als Sprecherin des Chinesischen Christenrats, der offiziell anerkannten protestantischen Kirche. Doch das war nicht immer so. Zwar garantiert das Gesetz seit 1980 Religionsfreiheit, doch diese ist sehr eingeschränkt. So wurden in den 90gern immer noch Christen verfolgt, insbesondere solche, die zu den sog. Hausgemeinden gehörten, die illegal sind, weil sie sich nicht offiziell registrieren lassen.

O-Ton: Diese Kirchen haben in den 80ger und 90ger Jahren zum Teil noch sehr viel Druck bekommen. Da hat es immer wieder Razzien gegeben. Da sind Pfarrer ins Gefängnis gekommen oder ins Arbeitslager. Da hat es Fälle von Folter gegeben.

Autorin: Doch das ist mittlerweile deutlich anders. Auch die Hausgemeinden werden in Ruhe gelassen. Zumal der Begriff ein wenig irreführend ist. Meist sind es große Gemeinden, die mit 1000 bis 2000 Menschen Gottesdienste feiern, natürlich nicht in Privathäusern, sondern in Sporthallen oder Hotels. Was sie treiben, tun sie also nicht im Geheimen. In Nanching hat Claudia Währisch Oplau kürzlich ein Netzwerk von Hausgemeinden besucht: 

O-Ton: Der Pfarrer der Gemeinde sagt mir: Ich rede regelmäßig mit den Behörden, die kennen mich, ich hab nichts zu verbergen und ich weiß, daß ich im Rahmen bestimmter Gegebenheiten hier vollkommen frei meinen Glauben leben darf. Und es gibt bestimmte Dinge, da halt ich mich raus. Ich äußere mich nicht zu politischen Fragen, dann würde die Situation schwierig werden.

Autorin: Also muß man sich fragen, wer hier bei uns ein Interesse daran hat, daß Christen in China verfolgt werden.

O-Ton: Es gibt Organisationen in Deutschland, die tatsächlich damit Geld machen, daß sie berichten über Verfolgung in China und eben aus Einzelfällen gleich eine Verfolgungswelle machen. Ich glaube, dass man mit solchen stories sehr gut Spenden sammeln kann, mit solchen Geschichten.

Autorin: Und die brauchen Organisationen wie open doors, die sich gründet haben, um den verfolgten Christen in China zu helfen und Bibeln nach China schmuggeln. Doch das ist mittlerweile komplett überflüssig. Die größte Bibeldruckerei der Welt steht in Nanching. Hier werden jährlich 1, 2 Millionen Bibeln gedruckt. Subventioniert von der Weltbibelgesellschaft und der deutschen Bibelgesellschaft.
Probleme bekommt man jedoch bei einer Razzia, wenn man im Besitz einer illegalen, geschmuggelten Bibel ist.  

O-Ton: D.h. eine Organisation wie open doors die Bibeln nach China schmuggelt, gefährdet  die Leute, mit denen sie zusammen arbeitet und zwar massiv, schafft die Märtyrer, die sie dann hier beklagt.

Autorin: Christenverfolgung in China, das war einmal, so die China Expertin Claudia Währisch-Oplau von der Vereinten Mission im Wuppertal. Wenn dennoch davon zu lesen ist, muß man sich fragen, wer hier aus welchem Interesse Propaganda macht.
Es könnten auch wirtschaftliche Interessen westlicher Hilfsorganisationen sein.

 

Audiobeitrag Christen in China


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